SchulCMS 2011

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Zeitabschnitte des Werner Bab

Im Rahmen einer Schulveranstaltung besuchte Zeitzeuge Werner Bab am 21. September 2006 unser Gymnasium, um Schülern und Lehrern von seinen Erfahrungen im Stammlager Auschwitz während des zweiten Weltkrieges zu berichten.

Als Einstieg in die gut besuchte Veranstaltung diente ein etwa 30-minütiger Film, in dem Werner Bab ergreifende Erlebnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus schildert und schockierende Bilder zeigt: Schon in seiner Schulzeit galt er aufgrund seines Glaubensbekenntnisses als Außenseiter, Juden durften zu dieser Zeit keine Gaststätten und Kinos besuchen, mussten sogar ab 20 Uhr in ihren Wohnungen bleiben.


Christian Ender (li.) und Werner Bab

Mit 18 Jahren kam der heute 82-jährige Werner Bab in das Stammlager nach Auschwitz, ohne zu wissen warum und für wie lange. Tag und Nacht wurde das riesige Lager von SS-Offizieren bewacht, Hunger und Krankheiten forderten täglich Opfer.
Seine Schutzhaft, die nach einem missglückten Fluchtversuch in die Schweiz gegen ihn verhängt wurde, bewahrte Herrn Bab jedoch vor dem Gastod, obwohl er schon dafür ausgesucht worden war. Bis kurz vor Ende des Krieges musste er im Stammlager verschiedene Arbeiten verrichten. Er hatte keinerlei Hoffnung mehr, das Stammlager Auschwitz zu überleben, zumal die Lager von Auschwitz aufgrund der veränderten militärischen Lage an der Ostfront aufgegeben wurden und die Belegschaft in so genannten „Hungermärschen“ nach Österreich verlegt wurde. Dort erlebte Bab das Kriegsende im KZ Mauthausen bzw. in den Außenlagern Melk und Ebensee.
Die Alliierten konnten dann schließlich die wenigen Überlebenden am 5. Mai 1945 von ihrem Elend erlösen. Bab kam nach Wien, ohne eine Zukunftsperspektive zu haben: Ihm war bis dahin nicht bewusst gewesen, dass ganz Deutschland in Trümmern lag. In Wien wurde er von der katholischen Kirchengemeinde aufgenommen, bis er, ohne Schulausbildung, in Amerika als Kraftwagenfahrer einen Arbeitsplatz bekam. Dort erfuhr er, dass seine Mutter noch lebt, sein Vater jedoch Selbstmord begangen hatte.

Bab im persönlichen Gespräch mit Schülern

Nach dem beeindruckenden Film stellte sich Bab den zahlreichen Fragen aus dem Publikum, die er ausführlich beantwortete. Der heutige Familienvater berichtete unter anderem, dass er seit längerem wieder in Deutschland lebt und keinen Hass gegenüber den deutschen Mitbürgern fühlt. Er erklärte zudem, dass ihm sehr viel daran liege, der Jugend sein Wissen und seine Erlebnisse so authentisch wie möglich zu vermitteln, damit sich die Geschehnisse der Zeit des Nationalsozialismus’ nicht wiederholen.
Zum Abschluss zeigte ein weiterer Film Babs ersten Besuch im Stammlager Auschwitz nach 60 Jahren, gemeinsam mit dem Bundespräsidenten Horst Köhler. Dabei wurden die Erinnerungen an die schreckliche Zeit wieder sehr lebendig.
Herr Bab erwies sich als eine beeindruckende Persönlichkeit – wir bedanken uns herzlich für diesen ergreifenden Vortrag.

Serkan Seyyar

Layout: Ilona Fetsch

Redaktionelle Bearbeitung: Malte Holthusen