SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Jeanne Martel ist mit dem deutsch-französischen Programm « Voltaire » hergekommen, bei dem jeder Partner ein halbes Jahr im  Land lebt und dort zur Schule geht.

Interview mit Jeanne Martel

Ich:  Tock, Tock.
Jeanne:     Ja?

Ich lache. „Ein bisschen lächerlich ist das hier ja schon!“, denke ich mir, „Schließlich kenne ich Jeanne jetzt seit fast drei Monaten und wohne mit ihr Zimmer an Zimmer“. Naja, für die andern ist es aber vielleicht interessant. Ich öffne also die Tür.

Ich: Hi, Jeanne, kann ich 'reinkommen? Ich soll dir ein paar Fragen stellen, für die Homepage unserer Schule. Damit die anderen Schüler dich ein bisschen besser kennen lernen. Tun wir einfach so, als würden wir uns nicht kennen ...

Jeanne lacht und stimmt zu.

Ich: Also, erzähl mal ein bisschen was über dich. Wer bist du, woher kommst du, was machst du gerne?
Jeanne: Das kommt mir ein bisschen egoistisch vor...
Ich: Quatsch, hier geht es um dich, keine Angst! ☺
Jeanne: Ähh,... ich heiße Jeanne Martel, ich bin 16 Jahre alt, ich komme aus Frankreich, aus Amiens bei Paris. Hier ich wohne bei Lena. Nee, es geht nicht, oder?

Ich habe beschlossen, auch ihre Fehler mitzuschreiben, das ist authentischer. Sie ist entsetzt, als sie das merkt.

Jeanne: Normalerweise ich bin in seconde (das ist die 10. Klasse) in ABI/BAC.
Ich: Was genau bedeutet ABI/BAC?
Jeanne: Das ist Abitur und BAC zusammen.
Ich: Ist das BAC das französische Abitur?
Jeanne: Ja, genau...
Ich: Das heißt, du machst das französische und das deutsche Abitur gleichzeitig? Wie bist du auf diese Idee gekommen. Jeder andere ist froh, wenn er einen Abschluss schafft!?
Jeanne: Möchtest du das wirklich wissen...? Am Anfang war das eine „pari“.
Ich: Was ist das?
Jeanne: Das ist, wenn dein Lehrer dir sagt: „Du kannst das nicht!“ und du sagst: „Doch, ich kann das...!“

Das verstehe ich nicht richtig, also müssen wir das Wort nachschlagen. So war das anfangs öfter, inzwischen verstehen wir uns eigentlich immer ohne Wörterbuch...

Jeanne: Ah, eine Wette. Das war ein Wette zwischen mir und meinem Lehrer. Er hat immer gedacht, dass ich nicht gut genug in Deutsch bin, um ABI/BAC zu machen. Deshalb wollte ich ihm zeigen, dass ich das kann. Zuerst habe ich eine Bewerbung geschrieben, dann wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und tatsächlich angenommen.
Ich: Ein schwieriger Weg, und war es nur diese Wette, die dich dazu motiviert hat, oder hattest du noch andere Gründe? Man macht schließlich nicht nur wegen einer Wette so viel Arbeit.
Jeanne: Am Anfang war es nur, um diese Wette zu gewinnen. Dann habe ich überlegt über meine Möglichkeiten, die ich habe, wenn ich in den ABI/BAC-Zweig gehe, zum Beispiel Austausch machen und gut Deutsch lernen, außerdem möchte ich gerne Pferdeosteopathie studieren und brauche, um das hier zu studieren, das deutsche Abitur.
Ich: Du bist jetzt also nach Deutschland gekommen, um für die Schule und dein Abitur gut Deutsch zu lernen. Möchtest du nach dem Studium weiterhin viel mit Deutsch zu tun haben, oder sagst du dir „nie wieder“?
Jeanne: Nein, ich möchte auch nach meinem Studium in Deutschland leben und arbeiten.
Ich: Scheint, als gefalle es dir hier sehr gut. War es denn leicht für dich, dich hier zu integrieren?
Jeanne: Ja! Weil die Deutschen sehr nett und gastfreundlich sind.
Ich: Und die Schule, war es schwer mitzukommen?
Jeanne: Ja, *snief* ! Am Anfang habe ich nichts verstanden. Das war wie ein ... ein... wie Chinesisch für mich...
Ich: Aber du hast doch auch in Frankreich Unterricht auf Deutsch, oder?
Jeanne: Ja, 15 Stunden pro Woche, aber unsere Lehrer sprechen nicht so schnell. Aber das war auch sehr schwer für mich, aber wenn ich wiederkomme, wird das alles einfach sein. Ich hoffe! ☺
Ich: Was gefällt dir besonders an Deutschland, was es in Frankreich vielleicht nicht gibt?
Jeanne: In Deutschland haben die Menschen eine bessere Mentalität (interessant ☺). Ich finde euren Stundenplan mit der Schule besser als unseren. Ich mag die Deutschen gerne.
Ich: Und was fehlt dir am meisten aus Frankreich?
Jeanne: Nicht Sarkozy, nicht meine Stiefmutter...
Ich: Oh, hoffentlich lesen die beiden das nicht ☺ !
Jeanne: Keine Ahnung. Das ist Frankreich und ich bin hier.
Ich: Ja, aber etwas, was du gerne hier haben würdest.
Jeanne: Vielleicht meine Schwester und auch meine Mutter, ein bisschen vielleicht, meine Freundinnen, mein Reithof, meine Schule. Und Calome...
Ich: Wer ist Calome?
Jeanne: Calome ist mein Lieblingspferd ☺.
Ich: Du reitest viel zuhause, oder?
Jeanne: Ja, ein bisschen mehr als hier...
Ich: Obwohl du so viel Zeit in der Schule verbringst (jeden Tag bis 18 Uhr, außer Mittwoch) und reitest hast du noch andere Hobbies?
Jeanne: Meine Freunde treffen, Parties machen, ein bisschen shoppen.
Ich: Und kann man hier besser shoppen als in Frankreich ☺?
Jeanne: Ja, das ist geil hier. Es gibt einen andern Style. Mehr Farben, mehr Totenköpfe ☺. Außerdem sind die Deutschen toleranter im Style. Wenn man in Frankreich keine coolen Klamotten trägt, ist man gleich ein Penner.
Ich: Ok, das hört sich alles sehr toll an, zum Abschluss noch eine Sache, die dich an Deutschland richtig nervt?
Jeanne: Mein Speck, ich habe in Deutschland zugenommen, ich glaube, das kommt, weil die Deutschen immer essen. In Frankreich haben wir unsere Mahlzeiten und essen nicht ständig etwas zwischendurch.

Ich muss lachen...

Ich: Vielen Dank, Jeanne... jetzt wissen alle ein bisschen mehr über dich Bescheid und wundern sich nicht mehr, wer du bist, wenn sie dich sehen. Und auf Wiedersehen im nächsten Jahr...
Jeanne: Nein!!! Dann bin nicht mehr in Deutschland, sondern mit dir zusammen in Frankreich...
Ich: Als ob ich das nicht wüsste und mich darauf nicht schon lange freuen würde, egal... ☺

Für weitere Fragen steht Jeanne immer bereit, „ ne, Jeanne?“ „Jaaa, natürlich ☺“

Lena Bilger

Jeanne und Lena