SchulCMS 2011Herschelschule-Ganztagsgymnasium |
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Vom Duzen, vom Patriotismus und von Heringsmarmeladevon Esther Bertram
So, jetzt finde ich doch endlich und nach sechs Wochen im fremden Land 'mal die Zeit, meinen versprochenen Bericht zu liefern. Tja, über was soll ich also schreiben? Vielleicht über meinen ersten Eindruck von Norwegen. Also, das erste was mir einfiel, als ich in Oslo landete (wir hatten dort noch ein dreitägiges Vorbereitungscamp für alle Austauschschüler in Norwegen, bevor es in die Gastfamilien ging), war: Holz. Ich weiß nicht, wie, aber die Architekten haben es doch tatsächlich geschafft, beinahe den gesamten Osloer Flughafen in Holz und Glas zu halten, was übrigens hier eine ziemlich typische Bauweise ist. Aber zu diesem Zeitpunkt wusste ich das noch nicht, ich staunte bloß und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, als wir zu unserer Jugendherberge fuhren, die etwa eine Stunde von Oslo entfernt liegt. Kaum hatten wir die Stadtgrenze hinter uns gelassen, empfingen uns Berge und vor allen Dingen Wald, Wald, Wald. Dieser Eindruck hat mich bis heute nicht losgelassen, denn Bergen liegt zwischen Bergen (was für ein Zufall) und dem Bergenfjord, die Stadt erstreckt sich über ein weites Areal, immer wieder durchbrochen von Seewasser und Wald. Die Begrüßung in unserem Vorbereitungscamp war herzlich, wir alle fühlten uns sofort wohl. Der nächste Tag, ein Freitag, begann mit einem sehr norwegischen Frühstück: Knäckebrot, brauner Karamellkäse und Heringsmarmelade. Ich glaube, ich war eine der wenigen, die diesen eingelegten Fisch in was-auch-immer probiert hat Er schmeckt wirklich wie Marmelade, nur fischiger. Er wird wahrscheinlich nicht mein Lieblingsessen werden, genauso wenig wie der braune Norwegenkäse, aber man kann ihn essen. Sehr speziell halt. Die Schule begann zwei Tage nach meiner Ankunft, sozusagen ein Sprung ins kalte Wasser dachte ich jedenfalls.
Eine Sache fehlt noch, und das ist der Patriotismus. Die Norweger, speziell die Bergener, sind große Patrioten. Sie lieben ihr Land und sind stolz auf ihre Stadt. Hier in Bergen gibt es eine Fußballmannschaft, Brann (übersetzt: Brand), die zurzeit die norwegische Liga anführt. Sobald diese Mannschaft spielt, holen alle ihre rote Kleidung heraus und laufen mit Fanschals durch die Innenstadt. Es ist kein Vergleich zu Hannover. Wer in Bergen lebt, muss Brann mögen. Trikot, Schal und die Fanhymne sind Pflicht, ebenso wie die Norwegenflagge über der Haustür der netten alten Holzhäuser mit ihren leider schon verblühten Stockrosen und den gelben Fensterläden. Es wird jetzt schon empfindlich kalt hier, die Sonne ist hinter einer Wolkenbank verschwunden. Heute Nacht wird es wohl wieder regnen. Ich werde mich daran gewöhnen müssen. Immerhin ist meine quietschgrüne Regenjacke hier der absolute Hit, denn sie gehört genauso in die Mode wie die unentbehrlichen Gummistiefel. Ich glaube, im Großen und Ganzen gibt es wenig, was ich wirklich vermisse. Doch: Nutella. Damit sende ich liebe Grüsse aus dem feuchten Bergen nach goo ol Germany! Bis zum nächsten Bericht! |
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