SchulCMS 2011

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Hola an alle Lieben daheim in der Herschelschule!

Bericht von Marit Jäger

Wollt mich nur mal melden und berichten, wie es mir hier so geht im Land der ewigen Weite und der Gauchos!
Wie einige vielleicht wissen, wohne ich gerade in San Juan, einer Stadt mit ca. 18.000 Einwohnern ganz weit im Westen Argentiniens am Fuße der Anden.
Seit drei Monaten lebe ich nun schon hier und bin sooo glücklich, diesen großen Schritt in so ein fremdes Land gewagt zu haben. Ich kann nur sagen, dass alles so aufregend ist – jetzt noch genauso wie an den ersten Tagen.
Hier ist wirklich alles anders: Das Klima ist wüstenartig. Es gibt Tage, an denen die Luftfeuchtigkeit weniger als ein Prozent beträgt und heiße Sandstürme wehen. San Juan ist eher eine tropische Oase, bewässert von den Schmelzwassern aus den Bergen.

Die Menschen hier sind alle ziemlich klein. Naja, Blonde gibt es auch kaum, also falle ich immer irgendwie auf. ;)
Ein großer Unterschied, der mir anfangs doch sehr zu schaffen gemacht hat, war der Tagesrhythmus, den die Argentinier leben. Denn wirklich LEBEN findet hier nachts statt. Natürlich gehen wir ganz normal zur Schule, und gearbeitet wird vormittags oder nachmittags, aber die Siesta zwischen 14 und 17 Uhr ist heilig. In dieser Zeit ist die Stadt wie leergefegt und das auch am Samstag! Aufgrund der Hitze, die wir bereits jetzt hier haben (Frühling mit bis zu 30 Grad) kann man um die Mittagszeit aber auch kaum viel machen und mental anspruchsvolle Dinge wie Hausaufgaben (kommen mir meistens ziemlich Spanisch vor) sind erst ab 10 Uhr abends möglich. Vor halb zwei morgens schlafen? ¿Hola, Estás bien?
Zu der argentinischen Lebensweise gehört es auch, lange und ausgelassen zu tanzen – die Discos (boliches) hier sind fantastisch! Getanzt wird zu Cumbia, einer Musikrichtung, die in Europa in keinster Weise existiert (ein ganz merkwürdiger Rhythmus mit verzögerten Vierteln, Mischung aus Samba und Salsa).
Sonntags kommt dann die ganze Familie zusammen und wir essen zusammen. Das kann seeeehhhr viel Zeit in Anspruch nehmen, aber ich genieße es immer sehr. Es wird viel geredet, , gelacht, gestritten und schließlich Mate getrunken. Mate ist DAS Nationalgetränk Argentiniens. Ein Tee, der in Paraguay angebaut wird und ganz heiß aufgegossen wird. Mit einer Art Strohhalm aus Metall trinkt man – immer in Beisein von Freunden oder Familie. Der Mate wird immer reihum weitergegeben und so hat Mate auch eine grosse soziale Bedeutung (nebenbei: man kann Mate in der Schule trinken, auf dem Fahrrad, beim Hund ausführen, auf der Autoladefläche…).

Ein wenig stolz kann ich berichten, dass ich mittlerweile auch richtig gut mit Spanisch zurechtkomme (hier: castellano). Natürlich waren die ersten Wochen sooo krass: Ich hab nichts verstanden, war immer todmüde, Kopfschmerzen und völlige Orietierungslosigkeit was communicación angeht. Aber für alle, die überlegen, in ein spnaischsprachiges Land zu gehen, ohne die Sprache vorher zu beherschen: Traut euch – Vamos! Es war zwar anstrengend, aber auch einfach total interressant – ein Gefühl, dass man so oft nicht erlebt! Und nach drei Monaten verstehe ich nun fast alles, außer Sendungen in televisión oder so ganz spezielle Sachen. Und manchmal Staune ich selber, wenn ich einfach auf Spanisch losplappere!
Die Schule macht mir hier sehr viel Spaß. Meine Schule (Colegio inglés) ist ganz klein und ich hab mich ganz schnell eingelebt. Mitlerweile fühle ich mich wie in einer großen Familie dort – in den Pausen sind wir alle aus der Oberstufe zusammen, spielen Volleyball und beschallen die ganze Schule mit lauter Musik aus richtrig großen Boxen (neben Cumbia hören die hier vor allem guten Clasic Rock, Reggae und – ihr glaubt es kaum – WISE GUYS!!) Lehrer werden ausschließlich geduzt, man umarmt sich freundschaftlich und besos gibts auch immer. Es scheint mir, als gäbe es keine Konflikte zwischen Schülern und Lehrern. Es herrscht trotz der lockeren Atmosphäre grosser Respekt voreinander und man kann sich eigentlich nur wohlfühlen!

Nun wird es hier immer heißer. Wenn ich meinen argentinischen Freunden erkläre, dass es bereits jetzt so heiß ist, wie im deutschen Hochsommer, verdrehen die nur die Augen. Aber zum Glück haben wir ab dem 20. Dezember drei Monate Sommerferien. Dann werden wir ganz viel an den großen Stausee fahren, vielleicht fahre ich mit meiner Familie nach Chile (zwei Stunden Autofahrt bis zur Grenze) und wenn ich Glück habe auch ein paar Tage nach Buenos-Aires oder nach Córdoba zum Oktoberfest… . Also, mir wird schon nicht langweilig.

So, jetzt könnte ich tatsächlich mal mit den Hausaufgaben beginnen. Tengo mucho trabajo!
Liebste Grüße y muchos besos! Les extraño mucho!

Marit Jäger