SchulCMS 2011

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Vannakum, Namaste, Namaskarum, Sawubona und hallo!

Bericht von Tabea Neumann, Südafrika

Wat kind?

Damit ihr ein wenig mehr versteht, sollte ich vielleicht lieber von „Tamil, Hindi, Telegu, Zulu und Indian Slang“ auf „Deutsch“ umschalten, was mir aber inzwischen nicht mehr ganz so einfach fällt. Aber ich versuch’s:

Südafrika, das Land der Regenbogen-Nation, hat seinen Namen wirklich verdient. Südafrika ist bunt, unterschiedlich, weit, eng, fröhlich, traurig, schön, hässlich – Südafrika ist anders. Das war wahrscheinlich auch der Grund, mich sofort für ein Auslandsjahr in Südafrika zu entscheiden. Diese Vielfältigkeit, Andersartigkeit, verschiedenen Kulturen und die einzigartige Natur zogen mich sofort an. Eine Herausforderung angenommen habe ich sicherlich, aber das bereue ich auch nicht.

Am 2. August fing mein Abenteuer an: von Hamburg nach Frankfurt und schließlich nach Johannesburg flog ich auf ein neues Zuhause zu. Von einem ruhigen Flug kann nicht gerade die Rede sein, da ich den größten Teil des Flugs auf der Toilette damit verbrachte, mich meines Flugzeugessens zu entledigen...
Nach elf Stunden Flug hatte das aber zum Glück ein Ende, und jetzt mischte sich auch noch ein aufgeregtes Kribbeln in meinen eh schon aufgewühlten Magen.

Mit anderen Austauschschülern aus aller Welt ging es dann ins Hotel in der Nähe von Johannesburg, wo wir einen Einblick in die bunte Kultur der „Blacks“ erhaschen konnten. Nach drei Tagen flog ich weiter nach Durban in eine völlig andere Kultur...

Ich lebe hier in einer indischen Gastfamilie! Besonders spannend ist das scharfe Essen, welches hier mit den Händen gegessen wird, und die völlig andere Lebensweise und Kultur.

Teil dieser Kultur ist allerdings auch der Verlust meiner Freiheit, da ich nicht einmal alleine zum Truck Shop gehen kann, um mir Kaugummis oder Schokolade zu kaufen. Mit Freunden kann ich mich auch nicht mehr treffen, da man überall hingebracht und abgeholt werden muss, weil das System der öffentlichen Verkehrsmittel einfach viel zu gefährlich ist. Richtig frech sind auch die Affen, die hier einfach ins Haus springen und Essen klauen. Um sich vor den überall lauernden Gefahren zu schützen, mauern sich hier die wohlhabenderen Leute hoch ein, was unserem Haus ein wenig Gefängnisatmosphäre gibt – besonders, weil ich meistens den lieben langen Tag nichts anderes mache als Fernsehen zu gucken, für die Schule zu lernen oder in die Kirche zu gehen.

Der Glauben ist für fast alle Südafrikaner unglaublich wichtig - ob weiß, „black“ indisch oder „couloured“, ob Christentum, Hinduismus oder Islam: Wichtig ist Religion hier für alle. Meine Gastfamilie und ich gehen so gut wie jeden Tag in die Kirche, was hier aber auch viel mehr Spaß macht. In Südafrika ist das nämlich nicht so, dass ein Pastor seine Rede abliest und verständnisvoll den 15 Leuten in seiner Kirche mit dem Kopf zunickt: Hier „rockt“ die ganze Kirche. Gebete werden nicht leise vor sich hingemurmelt, sondern wie in den typisch amerikanischen Filmen mit Leidenschaft geschrien und die gesamte Kirche antwortet. Hier trällern nicht ein paar Über-70-Jährige in den höchsten Tönen, die irgendwie erreicht werden können, und Männer brummeln nicht in den tiefsten Bässen vor sich hin: Hier wird von allen aus voller Kehle gesungen.

Die Kirche gibt mir auch die Kraft, über die hohen Mauern hinwegzusehen und mein Jahr in Südafrika zu genießen, auch wenn unsere vielen netten Partys und Freiheiten in Deutschland jetzt erst einmal der Vergangenheit (und der Zukunft) angehören. Mit den „nicht ganz so tollen“ Erfahrungen und Eindrücken hier wächst außerdem auch meine Wertschätzung für alles, was ich in Deutschland habe: meine Familie, Freunde, Freiheit und sogar meinen Schulweg.

Dieser ist hier nämlich eine Stunde lang!! Das heißt: jeden Morgen um 7 Uhr auf meinen Schulbus warten ...Um acht Uhr fängt hier nämlich die Schule mit Assembly an und hört um 14:30 Uhr auf. Die Schule ist auch total anders und riesengroß. Meine Schule versucht 1500 wilde Tiere, ähhh, Entschuldigung, Schüler zu unterrichten, was nicht immer ganz klappt. Ich habe hier auch jeden Tag die gleichen Fächer: Englisch, Zulu, Bio, Erdkunde, Mathe, Physik/Chemie in einem Fach und „Life Orientation“ (LO). In LO wird uns alles in Richtung „Vorbereitung aufs Leben“ beigebracht. Dazu gehören z. B. Themen wie Präsentationen, AIDS, Karriere und auch Sport. Ach ja, ob ihrs glaubt oder nicht: Englisch ist im Moment mein bestes Fach!

Tja, so ändern sich die Dinge hier. Wahrscheinlich aber nicht nur mein Englisch, sondern auch ich mich selbst. Durch die Erfahrungen, die ich mache, durch die Beschränkungen, die ich hinnehme, durch die Kirche und das Leben an sich. Anders ist es sicherlich, manchmal auch komisch, aber dazu hat Camps ein schönes Sprichwort:

It’s not right, it’s not wrong, it’s just different.

Damit: Ngizokubona ngesinye isikhati: Bis bald!

Liebe Grüße aus dem schönen Südafrika,

Eure
Tabea Neumann