SchulCMS 2011

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Die 8NW auf den Spuren des Mülls

Dass Hannover nicht Neapel ist, das weiß jeder, zumindest in geografischer Hinsicht. Wir haben eher den Müll im Sinn, ein zugegebenermaßen wenig appetitliches Thema, was freilich nach einer Lösung schreit. Klar, werden Sie sagen, wir sind "müllmäßig" nicht Neapel. Bei uns türmt sich kein Müll in den Straßen. Wir haben doch Deponien, wohin hilfreiche Menschen unseren Müll bringen. Stimmt nicht (mehr)! Schließlich können Deponien nicht endlos in den Himmel wachsen. Wenn keine Deponie, was dann? Das hat die 8NW für uns herausbekommen. Gedankt sei an dieser Stelle an Finn Wulbrand und Alexander Feiertag für ihre ausführlichen Erläuterungen, Steve Müller für seinen Kommentar sowie Dennis Kowski und Oleksiy Taran für die  schönen Fotos, die wir uns gleich zu Beginn [ anschauen ] werden.


Was passiert eigentlich mit unserem Müll?

Schon mal darüber nachgedacht, wo der ganze Müll, den man so produziert, überhaupt hinkommt und was mit ihm passiert? Nein? Die Klasse 8 NW hat es für Euch herausgefunden.

Am Mittwoch, den 16.01.2008, sind wir nach Altwarmbüchen zur dortigen Müllverbrennungsanlage gefahren. Das gestaltete sich etwas umständlich, denn wir mussten große Umwege und dann noch über 2 Kilometer Fußweg bewältigen. Dafür war der Empfang aber sehr gelungen – im Konferenzraum des BKB, dem dort tätigen Unternehmen, standen für jeden ein Getränk sowie Souvenirs zur Verfügung.

Zunächst hielt der Technische Leiter einen Vortrag über die Geschichte der Müllverbrennung in Deutschland und über die Funktionsweise einer Müllverbrennungsanlage. Anschließend schauten wir uns noch einen Animationsfilm an, mit dem man einen Blick in das Innere einer solchen Anlage werfen konnte. Sie funktioniert grob gesehen so:

Müllfahrzeuge laden ihren Müll in einen riesigen „Raum“ ab, den sog. Müllbunker. Dieser hat mit 10.000 m³ gewaltige Ausmaße; ca. 6 Turnhallen würden in ihn hineinpassen! Damit kein unangenehmer Geruch nach außen dringt, herrscht in ihm ein Unterdruck. In dem Müllbunker arbeitet ein integrierter Kran, der aus den Müllmassen eine „Müllmauer“ baut. Nach ihrer Errichtung kann der Müll ganz leicht in einen „Kessel“ befördert werden, in dem er verbrannt wird. Heizölflammen halten in dem Kessel eine Temperatur von 850 °C, bei der der Müll weitestgehend ohne Emission schädlicher Gase verbrennt. Die frei werdende Wärme erzeugt in Kesseln 400 °C heißen Dampf. Dieser treibt mit 40 bar die Schaufeln einer Dampfturbine an und erzeugt so elektrischen Strom.

Die Rückstände dieses Verbrennungsvorgangs fallen in den sog. Nassentschlacker, in dem sie abkühlen und in den Schlackebunker fallen. Diese Schlacke kann noch verwertet werden; sie enthält beispielsweise relativ hohe Mengen an Eisen.

Der gasförmige Teil, der während des Verbrennens entsteht, das sog. Rauchgas, wird in verschiedenen Schritten entgiftet. Am Ende der Müllverbrennungsanlage steht ein ca. 70 Meter hoher „Schornstein“, durch den die saubere Abluft in die Atmosphäre gelangt.

Dort sind auch Messgeräte angebracht, die den Gehalt bestimmter Gase messen. Diese Geräte sind direkt mit dem Gewerbeaufsichtsamt verbunden, das kontrolliert, ob bestimmte Emissionsgrenzen eingehalten werden.

Diese Funktionsweise wurde uns verständlich erklärt. Im Anschluss an den Vortrag wurden wir durch das Werk geführt, um das eben Gehörte zu vertiefen und noch besser zu verstehen. Nebenbei erhielten wir noch eine Fülle von technischen Daten, von denen hier die wichtigsten kurz erwähnt sein sollen:

230.000 Tonnen Müll werden pro Jahr verbrannt

22 Megawatt Strom werden ins öffentliche Stromnetz eingespeist (reicht für 40.000 Haushalte)

Nach ca. 3 aufregenden und erlebnisreichen Stunden fuhren wir wieder in die Schule zurück. Ich glaube, jeder von uns war beeindruckt. Wir empfehlen daher jedem den Besuch der Anlage!

Finn Wulbrand

 

Die Müllverbrennungsanlage

Am Mittwoch den 16.01.2008 besuchten wir, die Klasse 8NW, die Müllverbrennungsanlage in Hannover-Altwarmbüchen.

Hier ein kleiner Bericht:
Alles hat angefangen vor etwa 130 Jahren mit einem kleinen Unternehmen namens BKB (Braunschweigische Kohlebergwerke), die einige Kohlebergwerke besaß. Die BKB fing nach einiger Zeit an, auch kleinere Kraftwerke zu bauen, die die geförderte Kohle zu Energie verarbeiten sollten. Durch die Schließung der innerdeutschen Grenze mussten allerdings einige dieser Kraftwerke schließen. Andere Kraftwerke mussten schließen, weil ihre Genehmigungen abgelaufen oder die örtlichen Kohlevorkommen erschöpft waren. Die BKB entschloss sich dazu, durch andere Methoden Geld zu verdienen und errichtete so die erste Müllverbrennungsanlage.

Die Müllverbrennungsanlage in Hannover-Altwarmbüchen erhält ihren Müll von der hannoverschen Abfallentsorgung AHA, aus Celle, Hildesheim und von einigen privaten Firmen. Die Anlage wurde 2005 in Betrieb genommen. 90% des Mülls, der an die Müllverbrennungsanlage geliefert wird, kommt von der AHA. Der Müll wird von großen Lastkraftwagen angeliefert und in den sogenannten „Müllbunker“ gekippt. Dort wird mit einem Kran der Müll zu einer „Mauer“ aufgetürmt und in einen Schacht gekippt, der zu den Müllverbrennungskesseln führt. In diesen Kesseln herrscht eine Mindesttemperatur von 850 °C. Diese wird dadurch erreicht, dass beim Hochfahren der Anlage mehrere Ölbrenner die Kesselwände erhitzen. Bei dem Verbrennungsprozess wird die Luke, die zu dem „Müllbunker“ führt, geöffnet und es fällt Müll auf den erhitzten Rost. Dieser Rost ist so heiß, das der Müll von selbst Feuer fängt. Von unten wird frischer Sauerstoff zugeführt. Während des Verbrennungsprozesses herrscht eine Durchschnittstemperatur von 950-1000 °C, da bei einer Temperatur von unter 850 °C die Dioxine, die bei der Verbrennung zunächst entstehen, nicht zerstört werden würden. Sollte die Temperatur in den Kesseln während des Verbrennungsprozesses auf unter 870 °C sinken, schalten sich automatisch die Ölbrenner wieder an.

Nach dem Verbrennungsprozess bleibt von dem Müll ein Rest von etwa 27% übrig. Dieser fällt im hinteren Teil des Kessels in ein Wasserbecken, wo er abkühlt. Von dort gelangt er in das sog. Schlackebecken wo er auf seinen Abtransport wartet. Die Schlacke wird von Metallen getrennt, das Metall wird wiederverwertet und der Rest wird zum Straßenbau oder zur Rekultivierung, z.B. von Müllbergen, verwendet. In der Schlacke ist ein Restmüllanteil von etwa 1% enthalten. Die bei der Verbrennung entstandenen Gase gelangen durch einen Gang zu mehreren Filteranlagen. Es gibt Aktivkohlefilter, um die Schwermetalle herauszufiltern, Kalkmilch wird verwendet, um eventuell bei der Abkühlung der Gase entstandene Dioxine zu zerstören. Weiteres Abfallprodukt der Müllverbrennung ist Wasserdampf. Dieser wird durch Rohre weiter geleitet und mehrmals erhitzt, bis kein Wasser mehr enthalten ist. Der Dampf wird dann in eine Turbine gepumpt, die sich mit 7000 Umdrehungen pro Minute dreht. Die Turbine treibt einen Generator ab und erzeugt so Strom. Mehrere Kilowattstunden pro Stunde. Sollte die Turbine beschädigt werden, wird sie abgeschaltet und der Dampf wird über eine Hochdruckumleitstation wieder zurück in den Dampfkreislauf gepumpt bis die Turbine wieder in Betrieb genommen wird. Die Filter werden gereinigt, die Schmutzpartikel werden in großen Silos gelagert und warten dort auf ihren Abtransport zu Endlagerungsstätten unter Tage (unter der Erde).

Das Wasser, das in der Müllverbrennungsanlage anfällt, wird immer weiter verwendet und muss deshalb nicht als Abfall entsorgt werden. Lediglich das Wasser aus den Sanitäranlagen (Toiletten, Waschbecken, etc.) wird in einer kleinen Kläranlage gereinigt und dann in einen nahe liegenden Bach gepumpt. Die entstandenen Abgase werden durch weitere Leitungen bis zu einem Schornstein geleitet und auf dem Weg noch einige Male gefiltert. Vor dem Schornstein kommt eine kleine Messstation, die Daten über bestimmte Gasanteile in den Abgasen misst. Diese Station ist mit der Leitzentrale der Müllverbrennungsanlage und online mit den Computern der zuständigen Aufsichtsbehörde verbunden, da die Müllverbrennungsanlage einen bestimmten Maximalwert an Schadstoffen nicht überschreiten darf.

Die kurze Einführung sowie die Führung durch die Anlage waren interessant und es wurde alles gut erklärt.

Alexander Feiertag


Fazit zum Aufenthalt und zur Führung

Die Erklärungen des BKB–Mitarbeiters waren sehr interessant, aber zum Teil etwas schwer zu verstehen.

Durch die darauf folgende Vorführung der sehr gut animierten Computersimulation wurde jedoch auch das Schwierigste jedem klar.

Die Führung selbst war, obwohl sie eigentlich eher „klein“ gestaltet war, sehr interessant, da man das, was man zuvor in der Computersimulation gesehen und das, was der BKB–Mitarbeiter erzählt hatte, nun reell mit eigenen Augen sah.

Insgesamt war der Ausflug ziemlich lehrreich und er hat auch bei jedem von uns etwas Interesse hervorgerufen.

Steve Müller

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