SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Auslandsbericht Lena Bilger aus Amiens

Mit deutschen Freunden beim Schlossbesuch

Ich habe grad noch einmal alle schon vorhandenen Auslandsberichte gelesen und bin 'mal wieder überrascht, wie bunt es an unserer Schule zugeht. So viele verschiedene Länder, und in jedem Bericht entdecke ich Gemeinsamkeiten, aber auch riesige Unterschiede zu meinen eigenen Erfahrungen. Aber vermisst habe ich, wie Regina, vor allem das deutsche Brot ☺!
Obwohl, Baguettes sind ja auch nicht schlecht! Das verrät schon, wo ich war: in Frankreich - dem Land des guten Essens und des Eiffelturms. Dort habe ich grade 5 Monate verbracht. Genauer gesagt: in Amiens, einer typisch nordfranzösischen Stadt, 100 km entfernt von Paris. Ich weiß noch genau, der erste Eindruck war überraschend, Regen und rote Backsteinhäuser, mehr wie in England, aber schnell habe ich auch diese kleinen, geduckten Schachteln lieben gelernt. Zunächst zu meiner Ankunft, denn damit fing ja alles an ☺. Nach einer schlaflosen Nacht kam ich morgens am „Gare du Nord“, dem Pariser Bahnhof an. Dort wurde ich von meiner Gastfamilie empfangen. Das Wiedersehen mit meiner Austauschschülerin, die wie die meisten denke ich wissen, schon ein halbes Jahr in Deutschland bei mir gewesen war, war toll. Und auch ihre Schwester kannte ich schon von ihrem Besuch in Hannover. Die beiden Eltern, also ihre Mutter und ihr Stiefvater, machten einen total netten und lustigen Eindruck (dieses Gefühl hat sich später bewahrheitet). Vom Bahnhof ging es quer durch Paris auf die Autobahn. Die ersten Sätze auf Französisch waren der Horror. Doch nach zwei Stunden kamen wir endlich in Amiens an, und ich sah zum ersten Mal mein neues Haus. Die beiden Wohnungen waren super und mein Zimmer war mit viel Liebe wunderschön hergerichtet worden. Nachdem ich mich dann richtig ausgeschlafen hatte, war ich am nächsten Morgen auch schon viel mutiger, was das Französisch anging. Ich habe in den ersten Wochen riesige Fortschritte gemacht, dafür war ich aber auch ständig müde. Trotzdem lebte ich mich gut ein, und nach einer Woche fing dann auch schon die Schule an. Leider konnte ich nicht mit Jeanne in eine Klasse gehen, da dadurch, dass wir sehr viele deutsche Austauschschüler waren, ziemlicher Platzmangel herrschte. Damals habe ich das als Chance genommen, mir wirklich mein eigenes Leben dort auf die Beine zu stellen. Im Nachhinein sehe ich ein, dass es verdammt schwierig ist, neue Kontakte in einer anderen Sprache zu knüpfen, wenn man nicht wenigstens ein bisschen Hilfe hat. Und auch die Schule an sich ohne Jeanne zu bestehen, war nicht immer einfach. Die französischen Lehrer setzen sehr hohe Ansprüche und werden durch das umfangreiche Programm dazu gezwungen, ihren Unterricht im Schnelldurchgang zu halten. Wer sich über die deutsche Schule beschwert, sollte sich einfach mal eine Woche französischen Frontalunterricht von morgens um 8 bis abends um 18 Uhr antun. (Kaum zu glauben - da kommt einem das deutsche System später wie eine Erlösung vor☺). Aber abgesehen davon, dass ich in meiner Klasse nicht so richtig gut klargekommen bin, habe ich trotzdem super Freunde kennen gelernt. Die Klasse von Jeanne ist sehr nett und die haben mich in den Pausen total offen aufgenommen. Außerdem hatten die meisten ihrer Schulfreunde auch deutsche Austauschschüler, da sie ja in eine Klasse mit deutschsprachigem Schwerpunkt geht. So waren wir dann immer eine riesige buntgemischte Gruppe und haben uns auch nachmittags öfter getroffen, um in irgendwelche Cafés oder auch 'mal in den Freizeitpark oder in ein richtiges Schloss einzufallen. Gesprochen haben wir in der großen Gruppe einen Mix aus Deutsch und Französisch, das war schon sehr lustig. Wenn wir uns allerdings nur unter Deutschen getroffen haben, weil die Franzosen für die Schule lernen mussten, sprachen wir leider nur Deutsch. Das war natürlich nicht ganz meine Planung bei einem Frankreich-Austausch, dafür habe ich aber wirklich sehr, sehr gute Freunde gefunden, denn dieselbe Sprache zu sprechen und dieselben Erfahrungen zu teilen, vereint, und man bindet sich stark aneinander (bald kommt mich auch eine neugewonnene Freundin aus Leipzig besuchen). Und ich habe ja natürlich trotz des vielen Deutschs, das ich gesprochen habe, mein Französisch um Welten verbessert, auch wenn das mit der Grammatik noch nicht so ganz klappt ☺. Aber allein die ganzen Erfahrungen, die ich in Frankreich gesammelt habe, machen den Austausch einzigartig, und ich bereue keinesfalls, diesen Schritt gewagt zu haben. Beendet habe ich meine Zeit in Frankreich mit einem letzten schönen Erlebnis. Wir waren in den Weihnachtsferien - für mich das erste Mal - in den Bergen. Mit meiner Gastfamilie und den beiden Kindern von Jeannes Stiefvater. Zusammen haben wir die Pisten unsicher gemacht, das Dorf gestürmt und Weihnachten gefeiert. Auch wenn es natürlich traurig war, Weihnachten ohne meine Familie zu verbringen, habe ich diesen Urlaub noch einmal so richtig genossen. Wäre da nicht mein Sturz vom Snowboard an einem der letzten Tage gewesen, hätte ich sagen können: ein rundum schöner Abschluss eines spannenden, nicht immer einfachen Austausches. Aber so habe ich wenigstens ein Andenken, einen schönen Gips, den mir der Doktor auf die Diagnose eines Handknöchelbruchs hin verpasst hat und den an Silvester noch alle meine französischen Freunde unterzeichnet haben!
Sicher ist – in den nächsten Sommerferien werde ich alle besuchen, jetzt genieße ich erst einmal die Zeit wieder bei Euch!