SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Salomon Perel (Bericht eines Zeitzeugen)




„Hast du nur eine Menschenseele retten können, so hast du die ganze Welt gerettet.“

Salomon Perel (83 Jahre) hat das Dritte Reich als Hitlerjunge überlebt. Die Klassen 8-11 hörten in der Aula aufmerksam seinem Bericht über sein Leben zu.
Er begann nicht sofort mit seiner Lebensgeschichte, sondern teilte uns mit, dass die Weltgeschichte für uns alle wichtig sein sollte. Er legte uns ans Herz, die Wahrheit über den Nationalsozialismus zu verbreiten und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Eines der größten Verbrechen der Deutschen zur damaligen Zeit war der Massenmord an den Juden (etwa 6 Millionen). Ein Zentrum der Vernichtung war das im heutigen Polen liegende Konzentrationslager Auschwitz.
Salomon Perel erzählte, dass das Leben im Nationalsozialismus anstrengend und schwer gewesen sei. Als geborener Jude musste er seine Religion verleugnen, um zu überleben. Er wurde deutsch-russischer Dolmetscher und kämpfte für die Deutschen. Dabei musste er neben seiner Religion auch seine Familie vergessen. Er berichtete, dass er dabei eine zwiespältige Seele entwickelte, denn als vorgetäuschter Volksdeutscher müsste er sein eigentliches Ich, den Juden, verabscheuen. Selbstzweifel kamen auf, denn er meinte, dass er kein richtiger Jude mehr sein könnte, da er zu der damaligen Zeit als deutscher Soldat kämpfte und jüdische Vorgaben nicht einhielt (koscheres Essen, Einhaltung des Sabbats etc.). Es kamen auch Zweifel an Gott auf, denn er verstand nicht, wie so viel Unrecht auf der Welt von Gott zugelassen werden konnte. Er meinte, dass er viel gehorcht habe und gemacht hat, was ihm befohlen wurde, jedoch gab es auch Grenzen für ihn (z.B. nicht töten). 1935 wurden die Rassengesetze eingeführt, dadurch hatte Salomon (Sally) große Angst in der Hitlerschule (Braunschweig), denn man lernte dort, wie man einen Juden erkennt, doch wundersamerweise wurde er als arisch dargestellt (baltisch-östliche Rasse).

Sally Perel musste er sich auch entscheiden, ob er auf seinen Vater („Vergiss nie, wer du bist“) oder seine Mutter („Sally, du sollst leben“) hören, ob er für den Glauben sterben oder das Leben wählen sollte, und er entschied sich dafür, auf seine Mutter zu hören, und sie war auch diejenige, die ihm Kraft gab. Aus diesem Grund war es besonders schmerzvoll, sie im Warschauer Ghetto zu sehen.

Wollten Sie nicht lieber sterben, als ihren Glauben zu verleugnen?
Salomon: Nein, meine Mutter gab mir die nötige Kraft und sie wollte, dass ich lebe.

Wollten Sie von der Hitlerjugend weg?
Salomon: Nein, es wären zu große Umstände und Probleme aufgekommen. Ich fühlte mich auch zum Teil zu den Deutschen hingezogen.

Wie war es für Sie, ihren Bruder wiederzusehen?
Salomon: Es war eine Riesenfreude, und wir haben erst einmal gelacht und uns umarmt. Wir waren beide der Ansicht, der andere wäre tot, doch da ergab sich das Gegenteil.

Was denken Sie über den Patriotismus?
Salomon: Patrioten besitzen ein schwaches Selbstbewusstsein und übertreiben ihre falschen Überzeugungen. Vaterlandsliebe ist verständlich, jedoch sollte diese im Rahmen bleiben.

Was bedeutet für Sie Glückseligkeit?

Salomon: Die Fähigkeit zum guten Handeln. Wenn man etwas Richtiges tut, mit ganzer Kraft, fühlt man ein Glückserlebnis.

Wie haben Sie ihr Leben weitergelebt?
Salomon: Ich habe meine Lebensgeschichte 40 Jahre niemandem anvertraut. Als ich nach Israel zog und eine Familie gründete, erzählte ich Ihnen nach gewisser Zeit meine wahre Geschichte, um die Last von mir zu nehmen.

Was haben Sie erreicht?
Salomon: Ich bekam eines Tages einen Brief von einer Mutter, welche mir mitteilte, dass ihr Sohn durch meine Rede kein Neonazi mehr sei.

Können Sie ein besseres Leben führen, nachdem Sie die ganze Wahrheit erzählt haben?
Salomon: Ja selbstverständlich! Die Last wurde mir genommen und ich fühle mich freier. Ich bin ebenfalls stolz auf meine Niederschrift.

Abschließend wollen wir noch sagen, dass der Vortrag sehr interessant gewesen ist und uns tiefere Einblicke in den Nationalsozialismus gegeben hat. Im Film wurden nicht alle Emotionen von Salomon Perel wiedergegeben. Seine Rede jedoch war sehr emotional, was uns seine Geschichte besser verstehen ließ. Denn die besten Geschichtslehrer sind Menschen, die in die Geschichte selbst verwickelt waren.
Salomon Perels Botschaft an uns war dann auch diese Aussage:
„Hast du nur eine Menschenseele retten können, so hast du die ganze Welt gerettet!“

Lydia Förster, Julia Stepniowski Klasse 9F, 20.6.2008

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