SchulCMS 2010Herschelschule-Ganztagsgymnasium |
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Deutsche Schülerakademie (DSA)Ich sitze im Zug in Richtung Hannover und bin traurig und froh zugleich. Traurig, weil 16 Tage wie im Flug vergangen sind und froh, da ich auf die nahezu erlebnisreichste Zeit meines Lebens zurückblicken kann. 16 Tage Deutsche SchülerAkademie (DSA) in Braunschweig - ruhige Ferien, nein Danke! Die Deutsche SchülerAkademie steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und wird vom Verein Bildung und Begabung e.V., Bonn organisiert und durchgeführt. Der DSA geht es darum, vielseitig interessierte und motivierte SchülerInnen aus ganz Deutschland und der Welt zusammenzuführen. Teilnehmen können SchülerInnen, die ein bis zwei Jahre vor dem Abitur stehen. Auf einem Niveau, welches oft dem von Hochschulstudiengängen in den ersten Semestern entspricht, arbeiten die Jugendlichen etwa 50 Stunden in einem Kurs à 16 Teilnehmern an einem Thema. Es soll hierbei an wissenschaftliches Arbeiten herangeführt werden. Meine Erstwahl fällt auf den Kurs „1.4 Grüne Gentechnik im ethischen Diskurs“, an dem ich dann auch tatsächlich teilnehmen darf. Als Ergänzung zur Kursarbeit gibt es zahlreiche weitere Aktivitäten wie Exkursionen und Gastvorträge sowie kursübergreifende Angebote (KüA’s), die zu einem großen Teil von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen und durchgeführt werden. Im Vorfeld galt es kursspezifisches Material durchzuarbeiten und ein Referat zu einem Kursthema vorzubereiten.
Ich geselle mich zur Gruppe der grünen-Schild-Träger Abends lerne ich endlich meine Zimmernachbarin Sabrina kennen, die mir bei Nacht des Öfteren fürchterliche Schauergeschichten erzählt. Unser allmorgendliches Weckgejaule, begleitet von meiner Gitarre, erfreut sich nach einigen Tagen zunehmender Beliebtheit, denn der anstrengende Akademiealltag ermüdet und es lässt sich nur schwer aus den Betten kommen. Nicht schön, aber selten.
Schnell kehrt nun der Akademiealltag ein. Meist füllt der Kurs ungefähr die Hälfte des Tages. Die Kursleiter Maram und Daniel sind sehr nett und leiten den Kurs auf eine abwechslungsreiche Art und Weise. Sie gönnen sich kaum eine freie Minute und stillen unseren Wissensdurst unter anderem mit dem „Faktencheck“, einer Pinnwand, auf der wir uns über Sachverhalte informieren können, die sich nicht mehr im Kurs unterbringen lassen. Im ersten Kursteil werden uns die Grundlagen der Molekulargenetik vermittelt.
Wir erfahren, welche Möglichkeiten bestehen, um transgene Pflanzen zu erzeugen. Durch den Besuch der Abteilung für Molekular- und Zellbiologie der Pflanzen der Universität Braunschweig erhalten wir einen Einblick in die praktische Anwendung der grünen Gentechnik. Dort sehen wir eine Genkanone, mit der sich Partikel, beladen mit DNA, in Zellen schießen lassen. Über dieses Gerät haben wir vorher viel gelernt und sehen nun endlich ein echtes Gerät. Es tauchen Fragen aus der Umweltethik auf wie: „Ist Gentechnik künstlich?“ oder „Haben Pflanzen eine Würde?“ Die gesamte Kursperiode ist aufgelockert durch Rollenspiele, Bastelarbeiten und ein Experiment, in welchem wir DNA isolieren. Die Unterschiede im wissenschaftlichen Arbeiten in der Biologie und Philosophie machen wir uns deutlich, indem wir von Maram und Daniel verfasste Arbeiten vergleichen. Unser Kurs tritt bald unter dem Pseudonym „Invalidenkurs“ auf. Denn gleich zu Beginn bricht sich Daniel die Nase, kurz darauf zieht sich Thorben einen Bänderriss zu und außerdem grassieren einige Erkältungen im Kurs. Doch das hindert uns natürlich nicht daran, der tollste Kurs der ganzen Akademie zu sein! Das Team DNAgro heimst aus diesem Grund beim Volleyballturnier trotz vieler Ausfälle einen verdienten dritten Platz ein (nicht zuletzt aufgrund der wunderbaren Cheerleader). An meinem Kurs gefällt mir rückblickend am meisten die Flexibilität und Kreativität, die uns z.B. ermöglichte, innerhalb von zwei Minuten eine tolle Cheerleaderaufführung zu gestalten. Seit dem Volleyballturnier drückt sich der starke Gruppenzusammenhalt in dem Slogan aus: „1.4 – Das sind wir!“
Die weitere Hälfte des Tages verbringen wir mit kursübergreifenden Angeboten (KüA’s). Ich nehme am Chor teil. Ein großer Chor, der sich traumhaft gleichmäßig in seine Stimmlagen einteilen lässt. Am vorletzten Abend findet ein öffentliches Konzert in einer nahegelegenen Kirche statt, bei dem wir unsere erarbeiteten Stücke präsentieren. Auch das Streichorchester und verschiedene kleinere Ensembles haben hier ihren großen Auftritt. Neben den genannten Angeboten gibt es noch viele weitere: z.B. mehrere Mathematik-Vorlesungen, der Spanisch/Französisch-Stammtisch, Origami, Massage, Basketball… Franziska aus Namibia und Karin aus Südafrika bieten eine Afrikaans-KüA an: „Dit was lekker!“ (Das war schön!) Die Schwäbisch-KüA, von drei Schwaben ausgerichtet, ist eine direkt kabarettreife Nummer. Ein wesentlicher Bestandteil der Akademie ist die Dokumentation der Kursarbeit, aber auch der KüA’s und der Exkursionen. Aus diesem Grund sind wir durchgängig beschäftigt, weshalb das Wort „Langeweile“ grundsätzlich für die Zeit in Braunschweig aus dem Vokabular verbannt wird. Nach einem Drittel des Aufenthalts finden unterschiedliche Exkursionen statt. Ich bin bei der Wanderung auf den Brocken dabei. Bei stürmischem Wind kommen letztendlich alle wieder unbeschadet unten an. Die Wanderung ist sehr schön, allerdings fallen ab und zu einige neidische Blicke auf die vorbeikeuchende Brockenbahn. Die Unterbringung im Internat ist sehr angenehm und die Küche ausgezeichnet. Die moderne technische Ausstattung mit zwei Computerräumen und Beamern in fast jedem Raum bietet eine gute Grundlage für die Kursarbeit. Leider bleibt nicht viel Zeit, sich in Braunschweig umzuschauen. Die längst Zeit in der City verbringe ich wohl in den Schloss-Arkaden, einem riesigen Einkaufs-Center, das mich aufgrund seiner Größe völlig überwältigt. Am Abschlussabend im Kammertheater nehmen die Kurse zum Dank vor allem ihre Kursleiter auf die Schippe und stellen den anderen Teilnehmern Situationen aus der Kursarbeit vor. Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt! Der „Invalidenkurs“ wandelt ein Stück von Loriot ab, vor allem die kurzfristigen Proben machen uns allen sehr viel Spaß. Dank des genialen Einfalls von Albert, beginnt der Computer (verkörpert von Thorben) im eingeschalteten Zustand sogar zu blinken. Im Anschluss wird sich bis tief in die Nacht hinein noch einmal kräftig ausgetanzt.
Das letzte Plenum im Kammertheater des Internats… ein letztes Mal fläzen wir uns in den gemütlichen Samtsesseln, von denen es nicht genug gibt und die Zuspätkommer müssen sich mit den harten Stühlen begnügen. Es herrscht bereits eine wehmütige Stimmung und als die Akademieleiter Isabel und Patrick ihre Abschiedsansprache halten, rollen bereits viele Tränen. Es ist die Rede davon, dass wir gemeinsam in Braunschweig in einer Blase gelebt hätten, die mit der Ankunft zu Hause jäh platzen würde. Viele würden in das altbekannte „Akademieloch“ fallen und sich erst einmal völlig orientierungslos und gelangweilt fühlen. Das, was wir während der Akademie erlebt haben, wäre nicht so einfach zu erzählen. Niemand, der nicht bei einer Akademie teilgenommen habe, könne dies exakt nachempfinden… Nach dem letzten Plenum reisen die ersten ab, andere müssen noch einige Zeit auf ihren Zug warten. Noch viel mehr Tränen rollen und schon sitze ich verheult im Zug in Richtung Hannover. Vor meinem inneren Auge erscheint blitzartig eine Reihe von Gesichtern, die sich mir während der DSA tief eingeprägt haben. Das „Akademieloch“ fällt bei mir glücklicherweise nicht allzu tief aus, da ich den Rest der Ferien arbeitend beim Bundessortenamt verbringe. Allerdings vermisse ich das Plenum am Morgen schon sehr, außerdem hat der Tag mit der Abschlussmusik (dem Soundtrack von Indiana Jones) immer gut gestartet. Die mitgenommenen Akademierfahrungen und –erlebnisse sind sehr wertvoll für mich. Jedem, für den die Möglichkeit einer Teilnahme besteht, möchte ich unbedingt dazu raten. Anmerkungen oder Fragen zur DSA? |
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