SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Jeder Tropfen zählt!

Vier Tage im Göttinger Experimentallabor XLAB

Wenn man experimentiert, ist es wirklich hilfreich, sich am Anfang ,,ganz dumm'' zu stellen und sich - ähnlich wie in der Feuerzangenbowle - zu fragen: ,,Was is'n eigentlich n' Kohlenhydrat?''

Etwa mit dieser Einstellung bin ich an einem sonnigen Morgen quer durch Göttingen zur Uni-Nord geradelt, wo das XLAB farbenfroh aus anderen Uni-Gebäuden hervorsticht.

Kohlenhydrate - das war das Thema des ersten Experimentiertages im Bereich Chemie. Nach einer recht kurzen theoretischen Einleitung durch die nette Dozentin ging es überraschend schnell aus dem Seminarraum raus und mit Kittel und Brille ausgestattet in das Labor. Dort galt es, sechs verschiedene Experimente durchzuführen; alle mit dem Ziel, sich ein gutes Bild von dem Aufbau und der Funktion von Kohlenhydraten zu machen. So lernte ich die verschiedenen Möglichkeiten des Nachweises für Kohlenhydrate kennen. Besonders spannend war zum Beispiel ein Experiment zur Bestimmung der Anzahl der Hydroxyl-Gruppen im Glucose-Molekül. Mittags ging es dann in die Uni-Mensa. Das Essen war ziemlich gut und preislich wirklich studentisch! An allen vier Tagen fühlte sich die Gruppe etwas komisch - es schien nur ,,alte" Studenten zu geben und wir, als Gruppe von acht Schülern, waren bis auf die jungen Familien mit Babys so ziemlich die jüngsten im großen Speisesaal.

Die folgenden drei Tage im XLAB hatten ihren Fokus ganz auf der Molekularbiologie. Unter dem Titel ,,Vom Gen zum Protein'' wurden sechs aufeinander aufbauende Experimente durchgeführt, um zu einem Endziel zu kommen: Die Transformation von Escherichia coli - ein Bakterium, das im menschlichen und tierischen Darm vorkommt - mit dem Gen für das grün fluoreszierende Protein aus einer Tiefseequalle. Das hört sich ziemlich wirr an - und so kam ich mir tatsächlich manchmal vor - aber das Ergebnis war super!

Unsere Dozentin Dr. Feil führte uns anfangs theoretisch in das Thema ein und weckte gleichzeitig große Neugier und Interesse für die Sache. Die Idee, DNA zu isolieren und genetisch zu verändern fand die Gruppe sehr aufregend - die Motivation ließ eigentlich nie nach! Nachdem die Dozentin uns mit grundlegenden Arbeitstechniken vertraut machte - dazu gehört das Pipettieren von 0,5 Mikroliter, also die Hälfte von einem Millionstel eines Liters!, - denn jeder Tropfen zählt - stellten wir Nährböden her. Dann galt es in vielen kleinen Arbeitsschritten DNA zu isolieren und zu reinigen. Diese Reinigung passiert durch Verwendung eines bestimmten Glasfasermaterials, welches die Nukleinsäure adsorbiert. An Ende hielt jeder unserer acht Gruppenmitglieder ein kleines Gefäßchen mit durchsichtiger Flüssigkeit in der Hand. ,,Ist da überhaupt was drin?'' Ja, wir hatten DNA isoliert und konnten nun munter mit ihr weiterarbeiten.

Ein spannender Teil war dann die Transformation. Wir mischten unsere Bakterien mit einem Gen einer grün fluoreszierenden Alge. Am Freitag leuchteten diese Bakterien dann ebenfalls grün. Und während die stinkenden Bakterien über Nacht reiften, waren wir in der Göttinger Altstadt unterwegs und spielten Billard!

Das schicke Ergebnis machte letztendlich auch die teilweise nervige Arbeit wieder gut. Unsere Geduld wurde ziemlich gefordert, wenn zum Beispiel ein Versuch erneut gemacht werden sollte, weil die Probe verunreinigt war. Und dann ist das Ergebnis zuerst einmal immer eine Probe von 1 ml, die absolut nicht nach etwas Bedeutsames aussieht!

Zum Glück wurden wir nicht enttäuscht und hatten immer gute Ergebnisse.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ich besonders die erlernten Arbeitstechnicken schätzen gelernt habe. Das professionelle Arbeiten mit den Geräten und wertvollen Substanzen im XLAB gab der ganzen Gruppe einen authentischen Einblick in die praktische Biologie. Dabei wurde die Theorie kurz gehalten und das vorerst Fremde aktiv und praktisch beleuchtet. Auch die Atmosphäre in der Gruppe war super - neben der Arbeit blieb immer wieder Zeit für ,,Ferien haben''. So saßen wir gerne auf der sonnigen Dachterrasse des Instituts und tranken Kaffe während unsere Proben im Eisbad froren.

Und ganz rational betrachtet kann ich nun beruhigt sein, denn ich weiß, was es mit der Proteinbiosynthese auf sich hat. Die hab ich nämlich in Klasse 11, wie die meisten anderen Kursteilnehmer auch, verpasst. Da war es auch nicht schwer, mich ,,dumm'' zu stellen und einfach mal zu fragen: ,,Was is'n eigentlich 'ne Proteinbiosynthese?''

Ich möchte mich nun ganz herzlich bei der Schule und dem Verein ehemaliger Herschelschülerinnen und Herschelschüler Hannover e.V. für die Auslobung des Herschelstipendiums bedanken. Das Stipendium ermöglicht uns Schülern die Teilnahme an den Ferienkursen im XLAB und ich hoffe, dass die Schülerschaft dieses Angebot weiterhin rege wahrnimmt. Herzlichen Dank für die Unterstützung!

Und [ hier ] geht es zu meinen Fotos!

Marit Jäger, 12. Jg.

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