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Leeds 2009
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| Horse Guards in London
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Seit der Anmeldung für den Leeds-Austausch war nunmehr fast ein Jahr vergangen, und nun endlich war es soweit! Am Donnerstag, den 19. März um halb sieben morgens ging unser Flug nach London/Stansted. Kurz nach fünf mussten wir also schon am Flughafen sein, sehr zur Freude aller Langschläfer. Aber dafür erwartete uns ja auch eine der schönsten Großstädte Europas: London! So landeten wir also um halb sieben Ortszeit (die englische Zeit unterscheidet sich von der deutschen um minus eine Stunde) am Flughafen und fuhren mit dem Bus zu unserer Jugendherberge, der Palmers Lodge. Dort deponierten wir unser Gepäck und es ging gleich weiter mit der U-Bahn in die City. In drei vorher aufgeteilten Gruppen, nach ihren Führern „Götze-Gang", „Thunert-Gang" und „Schröder-Gang" benannt, unternahmen wir eine Sightseeing-Tour, in der wir viele berühmte Sehenswürdigkeiten Londons besichtigten. Jeder von uns hatte schon in Deutschland zu einer vorher festgelegten Sehenswürdigkeit ein Mini-Referat vorbereitet, das dann direkt vor Ort vorgetragen wurde. Nach ca. fünf Stunden war dann alles abgearbeitet und wir fuhren erschöpft zu unserer Unterkunft. Da ging's dann an die Belegung der Zimmer und unser Abendessen. Danach waren wir froh in unseren Betten liegen zu dürfen und zu schlafen, schließlich waren wir jetzt schon etwa 17 Stunden auf den Beinen.
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| London Dungeon
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Am nächsten Tag stand das Imperial War Museum auf dem Programm - ein Museum über den ersten und den zweiten Weltkrieg. Dort war am eindrucksvollsten ein „Bunkersimulator". Das war ein Raum, in dem es wie in einem Kriegsbunker aussah und links und rechts daneben fielen laufend Bomben herunter - jedenfalls hörte sich das so an. Ich bin froh, dass ich das noch nicht in der Realität erlebt habe. Mittags hatten wir dann Freizeit, die jeder auf seine Art und Weise nutzte - viele gingen shoppen, andere setzten sich in Cafés und wieder andere schauten sich noch weiter die Stadt an. Nachmittags ging es in den „London Dungeon". Das ist ein Art Museum ohne viele Exponate, kombiniert mit einer Geisterbahn. Die Atmosphäre ist dunkel und kalt, man geht an starren Figuren vorbei - die plötzlich lebendig werden und einen zu Tode erschrecken! Oder man wird z.B. durch ein Spiegellabyrinth geführt. Es hat eine Deckenhöhe von etwa 1,80 m und ist überall verspiegelt! Die Decke, der Boden, die Wände - alles Spiegel! Die ersten 5 Meter gehen ja noch, man behielt die Orientierung, besonders, wenn man - wie die meisten von uns - Hand in Hand mit jemand anderem ging. Doch dann wurde es komisch. Man wusste einfach nicht mehr, ob man gegen die Wand rennt oder nicht - man hat's erst gespürt, wenn's zu spät war. Und so ging das zwei ewige Minuten. Danach wurden wir befreit. Aber es warteten schon die nächsten Personen und Dinge auf uns. Abends hatten wir eine Führung durch einen Stadtteil Londons, in dem vor etwa 200 Jahren ein Schwerkrimineller sein Unwesen trieb - Jack The Ripper. „Ripper" heißt zu deutsch etwa „Zerfetzer". Und diesen Namen hat er nicht von ungefähr. In unregelmäßigen Abständen nahm er sich in vielen Nächten des Jahres 1888 Prostituierte vor, tötete sie brutal, riss ihnen die Organe aus und legte diese neben sein ausblutendes Opfer! Mehr Details kann ich darüber nicht schreiben, sonst wird mir zu schlecht.
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| The Tower
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Den Samstag konnte jeder gestalten, wie er wollte. Viele von uns gingen in das Tower Museum, in dem die bekannten Kronjuwelen der Königsfamilie zu sehen sind. Das Museum ist kein einzelnes Gebäude, sondern aus mehreren schlossartigen Gebäuden errichtet, zwischen denen auch Wiesen und freie Plätze liegen. Die Sicherheitsbestimmungen waren scharf; bevor man in das Museum hineinkonnte, wurde man erst einmal wie am Flughafen kontrolliert. Dann aber konnte man sich alles anschauen, als Höhepunkt natürlich die Kronjuwelen, die sehr gut gesichert sind. Der Raum, in dem sie liegen, ist nichts anderes als ein großer Tresor, in den man eben hineingehen kann. Die Wanddicke schätze ich auf etwa 20 cm. Die eigentlichen Kronjuwelen sind wunderschön und farbenprächtig verzierte Kronen, Zepter, Reichsapfel und Waffen in Glasvitrinen - ein fantastischer Anblick! Das Tower Museum wird dann in Richtung der Tower Bridge verlassen. Dort hinüber zu gehen, dauert etwa zehn Minuten, so lang ist diese Brücke.
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| Die Englandfahrer
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Sonntag ging dann der eigentliche Schüleraustausch los, wir verließen London mit dem Reisebus, der uns nach Leeds brachte. Nach fast vier Stunden Fahrt - es war schon dunkel geworden - wurde es spannend, in wenigen Minuten würden wir in Leeds ankommen und unsere Austauschpartner wiedersehen! Alle waren gespannt, aber auch sehr aufgeregt. Wie würde unsere Gastfamilie sein? Würden wir uns verständigen können? Mit einem Kribbeln im Bauch fuhren wir in den Busbahnhof von Leeds ein, wo bereits eine Horde von 35 englischen Jugendlichen mit ihren Eltern auf uns wartete. Das Gefühl, während wir ausstiegen, werde ich so schnell nicht vergessen. Wie Stars wurden wir empfangen, Fotos wurden geschossen, alle freuten sich, umarmten sich - und vergaßen dabei fast, ihr Gepäck zu holen. An solche Empfänge könnte man sich gewöhnen. Nun fuhren wir aber erst einmal alle mit dem Austauschpartner und dessen Eltern nach Hause. Der Montag begann wie ein ganz normaler Schultag - nur eben auf Leedser Art. Morgens um halb sieben aufstehen, duschen, frühstücken und mit seinem Austauschpartner im „School Bus" zur Schule. Das war schon das erste morgendliche Abenteuer, denn im Bus fühlte man sich wie ein bunter Papagei - alle anderen Fahrgäste trugen nämlich eine einheitliche Schuluniform. Allerdings kam man somit auch schnell ins Gespräch, denn es dauerte keine zwei Minuten, da kamen schon die ersten Fragen: ‚Where's your school uniform?‘, ‚Where are you from?‘, ‚How long are you going to stay in Leeds?‘.
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| The Grammar School at Leeds
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Als wir dann endlich an ‚The Grammar School at Leeds‘ ankamen, konnten wir nur staunen. Sowas hatten wir wirklich nicht erwartet. Um die Schule herum waren alle möglichen Sportplätze und Wiesen. Es gab einen eigenen kleinen Busbahnhof. Drinnen gab es ein Schwimmbad, mehrere Sporthallen, eine riesige Aula mit Kinoleinwand, eine riesige Mensa, mehrere Schulhöfe, u.v.m. Auch die Klassenräume unterschieden sich deutlich von den deutschen. Ein typischer englischer Klassenraum sieht etwa so aus: Vorne, wo bei uns die Tafel steht, ist ein großes Whiteboard, das direkt mit einem Computer verbunden ist, der auf dem Lehrerpult steht. An den Wänden hängen fast flächendeckend Plakate. Die Schüler sitzen an normalen Tischreihen, wie bei uns auch. In Fachräumen stehen auch allerlei Spezialutensilien in Schränken und Energiesäulen hat jeder Tisch. Allgemein sind die Räume also besonders durch das Whiteboard mit dem PC viel moderner als in Deutschland ausgestattet. Die Schule ging los. Um halb neun gingen alle Schüler zur sogenannten „Registration". In dieser 20-minütigen Vorstunde werden Neuigkeiten und Informationen preisgegeben und es wird die Anwesenheit jedes Schülers überprüft. Um 9 fing dann eigentlich erst der richtige Unterricht an. Dieser unterscheidet sich etwas von deutschem Unterricht, denn die meiste Zeit redet der Lehrer. Ab und zu werden Fragen gestellt, meistens seitens der Schüler. Die werden beantwortet und dann geht der Vortrag des Lehrers weiter. Zwischendurch gibt es einige schriftliche Aufgaben, die schnell gelöst und dann im Anschluss besprochen werden. Was man von diesen nicht schafft, wird zur Hausaufgabe. So vergehen die sechs Stunden, die man am Tag hat. Jede Schulstunde dauert 50 Minuten. Mittags gibt es eine ausgiebige Pause. Da der richtige Unterricht erst um neun Uhr beginnt, dauert ein normaler englischer Schultag bis um vier Uhr nachmittags.
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| In York
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Insgesamt waren wir zwei Vormittage in der Schule. Die anderen Tage bzw. Nachmittage verbrachten wir in Leeds und den umliegenden Städten, wie Bradford, York, Harrogate und Whitby. Jede Stadt hatte ihre Besonderheit, Whitby z.B., dass es dort angeblich die besten Fish n‘ Chips in ganz Großbritannien gibt. Das Wochenende verbrachte jeder in seiner Gastfamilie, oder man traf sich untereinander mit seinen Austauschpartnern. So schön diese inzwischen zehn englischen Tage auch waren, hatten sie leider auch ein Ende. Nachmittags wurden wir von unserer Gastfamilie zur Schule gebracht, wo ein Reisebus wartete. Man hatte sich auf einmal noch so viel zu erzählen und wollte und wollte nicht einsteigen. Als die Zeit dann knapp wurde, mussten wir dann schweren Herzens aber doch rein in den Bus. Wir setzten uns aber nicht etwa hin, nein, wir winkten noch nach draußen, die Engländer winkten zurück. Wir wollten und wollten einfach nicht weg. Aber dann kam die Ansage, sich hinzusetzen und der Busfahrer fuhr „eiskalt" los. Wir konnten jetzt einfach nicht glauben, dass der Austausch jetzt vorbei sein würde. So fuhren wir dann zweieinhalb Stunden im Bus zum Flughafen Newcastle. Um halb zehn abends ging unser Flug nach Hannover, wo wir um Mitternacht landeten. Müde verabschiedeten wir uns voneinander und jeder wurde von seinen Eltern abgeholt und nach Hause gefahren. Ich glaube, es stimmt, wenn ich sage, dass diese Fahrt die schönste und aufregendste „Klassenfahrt" war, die wir jemals gemacht hatten. An dieser Stelle sei dann auch unseren Lehrern gedankt, Frau Thunert, Frau Mundil, Herr Götze und Herr Schröder. Sie hatten immer eine Lösung für jedes Problem parat und verstanden dabei auch Spaß. Danke! Für uns Schüler hat die Fahrt auch viel gebracht, das wichtigste davon: neue englische Freunde, besseres Englisch und für viele Mädchen auch etliche neue Paar Schuhe.
Finn Wullbrand
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