SchulCMS 2011Herschelschule-Ganztagsgymnasium |
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20 Kilogramm? Für ein Jahr?Als ich mir die Anweisungen für den Flug nach Paris von meiner Organisation durchlas konnte ich es kaum glauben. Wie kann man von einem Mädchen verlangen, ihr Hab und Gut so einzuengen? Nachdem aber wirklich nur das Allernötigste verstaut war (neben meinen Koffer noch zwei weitere Umzugskartons☺), konnte die Reise - was heißt die Reise, das Abenteuer - eigentlich losgehen. Die Aufregung stieg am Abend vor der Abreise so sehr, dass ich keinen Bissen hinuntergebracht habe und auch in der Nacht habe ich kein Auge zubekommen. Die Gedanken schwirrten nur so in meinem Kopf; auf der einen Seite war es Angst, Angst bei einer Familie zu wohnen - für ein Jahr - die mich nicht so aufnimmt, wie ich bin, bei der ich mich nicht wohl fühle und mit der ich nicht reden könnte, wenn mich etwas bedrückt. Auf der anderen Seite die Freude auf ein Schuljahr mit vielen interessanten Leuten und natürlich auch eine Zeit mit vielen neuen Erfahrungen, die mir in meinem weiteren Leben hilfreich sein werden. Aber warum eigentlich Frankreich und nicht die USA? Das haben mich schon viele gefragt. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen gefällt mir die französische Sprache besser als die englische, zum anderen habe ich in der 4. Klasse ein Jahr mit meiner Familie in den USA gewohnt. Würde ich dieses Jahr auch wieder in den Staaten verbringen, dann würde ich in einer Kultur leben, die ich sowieso schon kenne und ich würde auch keine neue Sprache lernen. Endlich - 5 Uhr morgens (das erste Mal, dass ich mich gefreut habe, so früh aufzustehen). Der Abschied von meinen Freunden fiel mir schon total schwer, wie sollte das nur mit meiner Familie werden? Schon im Auto in Richtung Flughafen flossen die ersten Tränen und ich war mir plötzlich total unsicher, ob ich die zehn Monate wirklich ohne meine Familie und meine Freunde durchhalten konnte. Im Flugzeug war es dann ein netter Steward, der mir Mut machte. Der Schmerz war verschwunden, das Jahr meines Lebens konnte nun wirklich beginnen! In Rennes angekommen, konnte ich endlch meine Familie kennenlernen. Aus einigen Briefen wusste ich, dass die Familie Leparoux aus fünf Personen bestand: Die Eltern, Julie (16) und ihre beiden kleineren Brüder Mathieu (12) und Marius (8). Sie haben mich alle total nett empfangen; sogar mein Zimmer haben sie neu eingerichtet und dekoriert. Ich wusste schon seit dem ersten Augenblick als ich die Familie gesehen habe, dass ich mich dort wohl fühlen würde - und jetzt - 3 Wochen später bin ich eigentlich schon ein festes Familienmitglied. Neben den amüsanten Sachen, wie z.B. Spieleabende oder Radtouren gehören zu einem normalen Familienleben natürlich auch Pflichten wie einkaufen gehen, die Spülmaschine ausräumen und Tischdecken. Doch genau solche Tätigkeiten verhindern, dass man sich nur als Gast fühlt. An den bisherigen Wochenenden war eigentlich immer etwas los. Die ganze Verwandschaft (und die ist nicht gerade klein) wollte mich kennenlernen und so habe ich innerhalb von zwei Tagen bestimmt 50 Leute kennengelernt, darunter auch viele kleine Kinder, die es total witzig fanden, wie ich französisch gesprochen habe. Die Zeit unter so vielen Leuten habe ich sehr genossen, es gab eigentlich keine Sekunde, in der ich alleine war. Einer der kleineren Cousins von meiner Gastschwester Julie hat sogar gefragt, ob es in Deutschland auch Autos gäbe. Da konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Auch was die französische Küche angeht, bin ich garantiert am richtigen Ort. Ich wurde in diesen drei Wochen schon so gut bekocht, dass ich nicht weiss, ob ich am Ende des Schuljahres noch in meine Hosen passe. Die Schule hat vor zwei Wochen begonnen und auch da gibt es eine Menge zu erzählen! Die Schultage sind hier viel anstrengender als in Deutschland, selbst wenn man wie ich noch zahlreiche Aktivitäten danach hat. Die Schule fängt um 8 Uhr morgens an und geht aber nicht bis 13:30 und an ein oder zwei Tagen vielleicht bis 16:00 Uhr, sondern die letzte Stunde ist bei mir durchgehend in der Woche um 17:40 zu Ende. Hinzukommt, dass ich neben den Hausaufgaben noch lernen muss, sodass ich mich eigentlich nie vor 21:30 Uhr ausruhen kann. Nach so einem Tag möchte man dann einfach nur ins Bett und soviel Energie wie möglich tanken, bis es dann am nächsten Tag wieder losgeht. Wahrscheinlich ist das aber nur in den ersten Wochen so anstrengend, weil ich es noch nicht gewohnt bin. Was das Freizeitleben angeht, so kann ich bestimmt nicht so viele Hobbies ausüben wie in Deutschland, aber an meiner Schule gibt es einen Chor, leider kein Orchester, und ich hab mich auch schon nach einer Querflötenlehrerin erkundigt. Wenn sich alles etwas normalisiert hat, möchte ich auch mit etwas Sportlichem anfangen, vielleicht Tennis. Am meisten freue ich mich immer auf die Mittagspause. Zum einen natürlich, weil ich dann Zeit habe mit meinen Freunden zusammenzusein, zum anderen aber auch wegen des Essens. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einmal gerne in einer Kantine esse! Es schmeckt viel besser als bei uns und außerdem gibt es viel mehr Auswahl. Auch was den Unterricht und die Lehrer anbelangt, sind mir ziemlich viele Unterschiede aufgefallen. Das Pult des Lehrers z.B. steht auf einem Podest, was ich etwas übertrieben finde. Im Allgemeinen sind die Lehrer hier sehr autoritär. Wenn sie in den Klassenrau m eintreten, begrüßen sie die Schüler nicht, sondern es wird gleich mit dem Unterricht begonnen und auch in den Pausen gucken die Lehrer einen nur selten an. Es besteht praktisch eine Mauer zwischen Schüler und Lehrer. Das freundschaftliche Verhältnis und das Gefühl, den Lehrern nicht egal zu sein, fehlen mir hier sehr! Ich habe inzwischen auch bemerkt, dass die Lehrer hier immer überpünktlich sind (Herr Götze ist im Vergleich dazu schon unpünktlich und Herrn Derscheid würde man erst gar nicht einstellen. ;) Neben mir sind auch noch ein paar andere Ausländer da, eine Norwegerin, mit der ich mich total gut verstehe, ein Mexikaner, eine Belgierin, zwei Mädchen aus Ungarn und eine Amerikanerin aus Boston. Es ist total interessant, wenn so viele Leute aus unterschiedlichen Kulturen zusammentreffen. Wenn wir manchmal alle gemeinsam essen, haben wir uns immer was zu erzählen. So, das wars fürs erste Mal aus dem Land der Croissants und Crêpes (die übrigens köstlich sind). Viel Spass noch beim weiteren Schulverlauf! Übrigens wer noch Fragen hat oder Tipps braucht, kann mir gerne eine E-Mail schreiben: merritliebtfrankreich@web.de |
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