SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Weggesperrt

,,Weggesperrt” - so heißt der Roman, aus dem die Autorin Grit Poppe am 02. Oktober ‘09 den Schülerinnen und Schülern der 9. Klassen in der Aula vorlas.

Der Roman spielt in den Jahren 1988/89 in der DDR.
,,Weggesperrt” wird die 14jährige Anja - das Mädchen wird von seiner Mutter getrennt und in ein Heim eingewiesen, weil diese einen Ausreiseantrag gestellt hatte. Aufgrund verschiedener Vorfälle (Widerstand, Flucht aus dem Heim) wird sie danach in den ,,Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau” gebracht. Ziel dieser Heime war es, mit Druck die rebellischen Jugendlichen zu ,,vollwertigen Mitgliedern der sozialistischen Gesellschaft” zu erziehen.

Die Autorin Grit Poppe wurde 1964 in Boltenhagen an der Ostsee geboren und studierte in Leipzig. In den Jahren 1989 bis 1991 engagierte sie sich in der Bürgerrechtsbewegung ,,Demokratie Jetzt”. Heute arbeitet sie als freiberufliche Autorin und schreibt Romane für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Frau Poppe hatte einen Zeitzeugen, Herrn Stefan Lauter, mitgebracht, der später von seinen eigenen Erlebnissen und den dramatischen Vorfällen in Jugendheimen der DDR erzählte.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Schulleiter, Herrn Bloch, leitete Frau Beushausen vom Bibliotheksteam mit einem kurzen Bericht über die Lebensumstände in der DDR den Vortrag ein.
Frau Poppe las danach mit leiser und etwas heiserer Stimme aus dem Buch vor und alle lauschten still und konzentriert, als sie von den  Strapazen und Schikanen, die das Mädchen Anja in den Jugendheimen erleben musste, hörten. Die vorgetragenen Stellen waren spannend geschrieben und schilderten anschaulich die bedrückenden Zustände.
Das Buch endet mit den Montagsdemonstrationen in Leipzig, an denen Anja mit ihrem Freund teilnimmt.

Anschließend kam Stefan Lauter zu Wort und gab mit seiner vollen und lebendigen Stimme einen beeindruckenden Einblick in sein Leben: Der heute 40jährige war einer von über 4000 Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren, die zwischen 1965 und 1989 in Torgau gedemütigt und gequält worden waren. Mit 17 Jahren kam er in den ,,Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau”; der Einweisungsgrund war sein ,,rebellisches Verhalten”. Welche Maßnahmen er dort über sich ergehen lassen musst, hätte er nie gedacht: Schon zur ,,Begrüßung” bekam er den Schlüsselbund eines Erziehers ins Gesicht geschlagen, weil er eine Frage nicht richtig beantwortet hatte. Darauf folgten immer wieder zahllose Misshandlungen, Demütigungen und Strafen. Besonders Emotionen wie Trauer, Wut und  Entsetzen wurden von Stefan deutlich und anschaulich vermittelt.

Im Anschluss an Lesung und Vortrag wurden noch Fragen der Schülerinnen und Schüler beantwortet.
Insgesamt gesehen ergänzten sich Poppe und Lauter derart, dass wir uns die damaligen Ereignisse gut vorstellen konnten.

Leider war die Akustik der Aula nicht so gut für die Lesung geeignet - alle hatten Mühe, die leise Stimme der Autorin zu vernehmen.

Wer das Buch ,,Weggesperrt” lesen möchte, kann es sich aus unserer Schulbibliothek jederzeit entleihen.
(Von Tamara, Hamide und Farhan, alle Klasse 9 G)

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