Ein halbes Jahr eine andere Kultur erleben, das war mein Wunsch. Für meinen halbjährigen Auslandsaustausch habe ich mir Frankreich ausgesucht, da mich die französische Sprache sehr interessiert. Außerdem hat Frankreich eine der faszinierendsten Kulturen dieser Erde und eine sehr gute Küche. Das machte meine Entscheidung der Länderwahl dann endgültig.
Die Fahrt nach Frankreich verlief ohne Tränen, aber mit viel Aufregung. Als wir dann endlich mit dem Wohnmobil am 3. Januar diesen Jahres in La Seyne sur Mer angekommen waren, trafen wir uns erstmals mit Nicole, meiner Ansprechpartnerin der Austauschorganisation Kultur-Life, in einem Café, um die noch offenen Fragen zu beantworten. Danach ging es direkt zum ersten Treffen mit meiner Gastfamilie. Meine Gastfamilie wohnt in einem schönen Haus mit Swimmingpool(!!) in der Nähe des Hafens und besteht aus dem Vater Olivier, der Mutter Angelique und dem siebenjährigen Sohn Pierre. Bei ihnen wurde es dann ein bisschen hektisch und meine Eltern konnten gar nicht oft genug fragen, ob ich nun auch wirklich alles habe, was ich für das halbe Jahr benötige. Der Abschied verlief glücklicherweise auch ohne Tränen. Da ich an einem Wochenende ankam, konnte ich mich schon mal ein bisschen einleben und meine Französischkenntnisse so gut wie möglich anwenden.
Der erste richtige Schultag war der Dienstag nach dem Wochenende, da ich am Montag eigentlich nur alles geregelt habe, was mit der Schule zu regeln war. Die Schule, das Lycee Maintenon, liegt etwa 35 km entfernt in Hyeres, der Palmenstadt Frankreichs, auch direkt am Meer. Mittwochs hatte ich dann den ersten kurzen Tag, das heißt von morgens 8 Uhr bis um mittags 13 Uhr. An diesem Mittwoch wurde ich von Nicole ein bisschen durch Hyeres geführt. Am Freitag bin ich dann wieder von Nicole abgeholt worden. Mit ihr bin ich dann mit dem Auto bis nach Toulon gefahren, um von dort aus den Bus weiter nach La Seyne zu nehmen. Samstag habe ich mich dann erstmal etwas ausgeruht, da ich eine anstrengende erste Woche hinter mir hatte.
Am Anfang fiel es mir sehr schwer mich umzustellen, da hier die Tagesabläufe ganz anders sind.
Die Schule findet von 8 Uhr morgens bis 17.30 Uhr statt. Anschließend sind noch Hausaufgaben zu machen. Abends ab 21.30 Uhr herrscht im Internat absolute Bettruhe.
In der zweiten Woche ging dann alles schon etwas besser. Trotzdem hatte ich immer noch Schwierigkeiten den Unterricht komplett zu verstehen. Leider gab es in dieser Woche noch kein Schwimmtraining. Deswegen konnte ich am Mittwochnachmittag, dem einzigen Tag an dem wir nachmittags frei haben, nichts machen und musste in der Schule bleiben. Donnerstag kam dann Nicole in die Schule, um mir die Busfahrkarte zu geben, so dass ich Freitag schon das erste Mal aus Hyeres mit dem Bus alleine nach Hause fahren konnte. Den Samstag bin ich dann mit meinem Gastbruder Pierre, mit dem ich mich toll verstehe, zum Lauftraining gegangen.
In der dritten Woche habe ich das Zimmer gewechselt, da meine Mitschüler in meinem ersten Zimmer nur Unfug gemacht haben und ein wenig sonderbar waren. Die neuen Zimmergenossen sind ganz toll. Da ich meine Gastfamilie um Erlaubnis gefragt hatte, durfte ich diese Woche mit einer kleinen Gruppe in die Stadt gehen. Danach haben wir ein bisschen Fußball gespielt. Dieses Wochenende konnten Pierre und ich viel draußen spielen, da hier den ganzen Tag die Sonne geschienen hat und wir bis zu 20 Grad hatten.
Leider hatten wir auch in dieser Woche kein Schwimmen. Deswegen bin ich wieder mit Marion und Mitschülern in die Stadt gegangen. Dieses Mal sind wir in das Kino gegangen, da es geregnet hat. Außerdem habe ich diese Woche zwei Freunde gefunden, die den gleichen Bus aus Hyeres nehmen. Das macht die Heimfahrt gleich viel lustiger und angenehmer.
Nächste Woche haben wir für 2 Wochen Ferien. Diesen Mittwoch hatte ich das erste Mal Schwimmtraining und es hat richtig viel Spaß gemacht. Das nächste Mal Schwimmen habe ich nach den Ferien. Ich bin jetzt schon das vierte Mal allein mit dem Bus nach Hause und zur Schule gefahren, so dass es jetzt schon normal ist. Ich fahre freitags nach der Schule zu meiner Gastfamilie und komme dann so um 19 Uhr an und fahre am Sonntagabend wieder ins Internat zur Schule. Die Busfahrt dauert mit Umsteigen ca. 2 Stunden.
Nun habe ich das erste Mal Ferien in Frankreich. In der ersten Woche gab es für mich nicht viel zu machen, da Pierre und Angelique Pierres Oma besucht haben und ich mit dem Vater allein zu Hause war. In dieser Woche bin ich am Mittwoch mit Nicole und einer kleinen Gruppe von deutschen Schülern, die in der Provence zur Schule gehen, zum Schwimmen gefahren. Am Donnerstag wollten wir erst nur nach Castolles fahren, da es aber zu windig war, sind wir dann eben zum Bowlen gefahren. Außerdem hat es an dem Abend das erste Mal geschneit!!! Am Samstag bin ich dann zum Strand gejoggt.
Soviel von meinen ersten 5 Wochen. Ich kann nur sagen, es macht mir sehr viel Spaß, die Schule ist toll und ich habe nette Gasteltern.
Vive la France
Euer Moritz
La Seyne sur Mer 16. Februar 2010