SchulCMS 2010

Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

Aktuelles

In eigener Sache - Wir proben...

Viel mehr als nur der Bericht über eine kleine Winterreise...

Hannover Hauptbahnhof. 13. Januar 2010, gefühlte 20° unter Null - hiermit beginnt der Bericht von Olena und Irene über die Theater-Probentage im Deister. Das neue Stück wird am 17./18. März seine Premiere haben.

Ein eingebildet Kranker, warm eingemummelt, gestützt und begleitet von zwei Lehrerinnen und acht weiteren Personen, steigt um 11.25 Uhr in den Zug - Richtung: Springe/Deister.
Ja, das Städtchen Springe und dort, direkt am Rande des Deisters, die idyllisch gelegene Herberge (das Schullandheim der Tellkampfschule Hannover) sind Ziel dieser Reise.

Ankunft

Die von der Kälte etwas mitgenommene Gruppe wird am Eingang des von Schnee umhüllten Hauses von einer sehr netten Dame mit den Worten begrüßt: „Guten Tag und herzlich willkommen. Die Gruppe aus der Herschelschule. Wenn das Gepäck verstaut ist, kann gleich gegessen werden!"
Ja, wir sind es, die aktive Sek II - Splitter-Gruppe des Theater- AG - Bereichs der Herschelschule: Vier Spielerinnen und fünf Spieler sind angereist, um an diesem außerschulischen Lernort neue Energien und Inspirationen für die vorletzte Runde unserer Probenarbeit zu bekommen.

Pläne und ihre Umsetzung

Unsere Fahrt in den Deister, da waren wir uns alle schnell einig, war nicht nur absolut notwendig geworden, um uns vom täglichen Stress loszureißen, sondern sollte uns auch helfen, ohne Ablenkung von außen in die Welt der Komödie einzutauchen - denn hatte nicht sogar unser eingebildet Kranker, Herr Argan, moniert: „Ich habe nicht mal mehr die Zeit, in Ruhe an meine Krankheit zu denken!?"
Das musste anders werden, und es ging auch gleich gut los: Das Beziehen der Zimmer und die erste von vielen (wirklich) köstlichen Mahlzeiten waren nur Auftakt unserer sehr intensiven Probenarbeit unter der Leitung von Frau Kobs (Theater-AG Leitung an der Herschelschule seit 1981) und Frau Marggraf (ganz frisch und sehr engagiert seit 2009 mit dabei). Unermüdlich, von morgens 9.30 Uhr bis abends 21.00 Uhr, probten wir; unser Elan wurde nur unterbrochen von den gemeinsamen Mahlzeiten und kleinen mittäglichen Zwischenpausen in der Wintersonne - unvergesslich die fröhliche Schneeballschlacht am Hang :)! und - nach getaner Arbeit - die magischen „Werwolf"- Spielerunden - alle an einem langen Tisch: Das war toll und schweißte die ohnehin harmonische Gruppe nur noch mehr zusammen.

Abschied

Die wenigen Tage verliefen ohne Zwischenfälle, waren unterhaltsam und interessant und vergingen wie im Flug, kurz: Alle Theater-AG Mitglieder wären jederzeit wieder bereit, so etwas zu wiederholen. (Aber, machen wir uns nichts vor: Es wird ja unsere Abschiedsvorstellung auf der Herschelbühne werden, denn nach Ostern beginnen für alle - bis auf Alexandra - die Abiturprüfungen, deshalb schon mal an dieser Stelle: Alle, die Lust dazu haben, Theater zu spielen - meldet euch bei Frau Kobs, die Sek II- Gruppe muss wieder ganz neu aufgebaut werden!).
Tja, und so reisten wir dann am Freitag wieder nach Hannover zurück, im Gepäck schöne gemeinsame Erlebnisse und auch wichtige Entscheidungen; z. B. in Bezug auf die Frage, ob wir uns in moderner Kleidung oder in historischen Kostümen auf der Herschelbühne zeigen sollten!?

Die Aufführungen im März 2010

Nun, wer die Antwort darauf erfahren will, sollte zu einer unserer Aufführungen kommen!
Wir zeigen Molieres „Der eingebildet Kranke" am 17. und am 18. März auf der Bühne der Herschelschule (Aula), jeweils ab 19.00 Uhr, damit auch unsere Jüngsten unter unseren Gästen sein können!

Wir freuen uns auf euch!

(Reisebericht und stellvertretend für die Gruppe: Olena Dombek und Irene Rettich, 13. Jahrgang)

 

Gastspiele auf der Herschelbühne

Bildunterschrift

„norway.today" von Igor Bauersima


11.12.2009/ Lysefjord, Norwegen: Endet die gemeinsame Reise von Julie und August an den 600 m hohen Todesklippen des norwegischen Prekestolen Felsen am Lysefjord? Diese Frage wird in der Theater-Rezension von Marianne Peters und Monika Klassen beantwortet.

Zwei hannoversche Goetheschüler machen die Aula der Herschelschule zum dramatischen Ort des modernen Zwei-Personen-Dramas „norway.today" von Igor Bauersima.
Die 20jährige Julie (Tamara Semzov) und der 19jährige August (Matwej Novakovski) finden sich in einem Suizid-Chatroom und beschließen gemeinsam in den Tod zu gehen. So reisen die lebenssatte Julie und der lebensfrohe August nach Norwegen an den Prekestolen Felsen, wo die vermeintlich „letzte große Reise" allerdings einen unerwarteten Verlauf nimmt.
August, für viele Zuschauer eindeutig der Sympathieträger des Stücks, zeigt sich zu Anfang als eine quirlige, in einzelnen Szenen beinahe clowneske Persönlichkeit: lebendige Gestik, fröhliches Lachen und überzeugende, offene Mimik. Konträr dazu Julie: ein selbstbewusster, klarer und zielorientierter Charakter - aufgrund der festen und entschlossenen Stimme der Schauspielerin sehr gut in Szene gesetzt.

Element Musik

Während des Stücks durchleben die zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten eine beinahe gegenläufige Entwicklung. So etwas darzustellen und das gemeinsame Spielen dabei perfekt aufeinander abzustimmen - eine echte Herausforderung für die beiden Schauspieler! Sie meistern dies alles mit Bravour, publikumswirksam unterstützt durch die originelle Auswahl der Musikstücke, die nicht nur der Untermalung, sondern auch der Interpretation einzelner Szenen dienen; z. B. das Gespräch beider Spieler über Selbstmord - jeder erwartet dazu wohl melancholische Musikuntermalung - aber: Irrtum! Wenn Julie und August, fest entschlossen, ihr Leben beenden zu wollen, über Suizid sprechen und über ihr Lebensende nachdenken, dann tanzen sie dabei auch, und zwar zu dem Song „Wouldn´t it be nice" von den Beach Boys - jeder, der den Text kennt, weiß: hier geht es um Pläne, Träume, Zukunftsvisionen!

Angst vor dem Verlust der Kindheit

Julie lässt Kindheitserinnerungen lebendig werden: Die kleine Julie - am Rande dieser norwegischen Klippe, von ihrem Vater festgehalten - schwebt sie über dem Abgrund, empfindet das unbändige Gefühl von Freiheit, Weite und Geborgenheit in ihrer Erinnerung noch einmal nach. Und August? Auf seine Reise hat er seinen Kinderfreund mitgenommen, den Teddybären, mit dem er sich an die Klippe stellt und zu dem er spricht - ein Verhalten, das Julie derart irritiert, dass sie sich einen Stein nimmt, mit dem sie ersatzweise zu sprechen beginnt.

Dahinter steht immer ein Regisseur

Das wirkt kurzfristig merkwürdig, vielleicht sogar komisch, man möchte lachen, aber: dem Publikum bleibt das Lachen in dieser Szene und auch sonst so manches Mal im Halse stecken. So hält man auch kurz die Luft an bei Augusts (linksarmigem) Hitlergruß - obwohl der aufmerksame Zuschauer schnell weiß, dass es sich um eine Parodie handelt. Solche Szenen sind es, u. a., die verdeutlichen, wie viele differenzierte Gedanken die Gruppe unter der Leitung von Regisseur H. Warnecke in die Inszenierung investiert hat.

Die ewig gültige Frage

Mit dem Verlassen des Chatrooms, also von Beginn an, steht die Frage im Raum: Springen die beiden Jugendlichen in den Tod? Sicher, gewisse Lebenszeichen gibt es, dass es nicht dazu kommen wird: Augusts Fische, die er mit in den hohen Norden transportiert, das mitgebrachte Zelt zum Übernachten oder auch die Kiste mit Proviant. Welcher Selbstmörder kümmert sich um seine Fische, wenn er sowieso das Leben „wegwerfen" will, schläft noch eine Nacht über diese bereits feststehende Entscheidung, bringt sich etwas zu essen und zu trinken mit?

Technik-Profis

Die wesentlichen Einschnitte, die zur Reflexion und Spiegelung der Charaktere dienen, werden von den Protagonisten selbst mit der Kamera festgehalten und für das Publikum auf die Leinwand projiziert. Hauptverantwortlich dafür sind natürliche andere „Drahtzieher": das gut eingespielte Techniker-Profi-Team - Torben Petersen und Mario Schaper - einfach genial und wirklich professionell, was diese beiden Schüler auf dem Gebiet von Technik, Licht, Musik zu bieten haben!

Wendepunkt im Zelt

Viele werden sich erinnern an den Wendepunkt in der gegenseitigen Beziehung zwischen Julie und August: die erotische Szene im Zelt, gespiegelt durch das geschickt eingesetzte Spiel von Licht und Schatten: August offenbart Julie seine Zuneigung, und der Zuschauer kann über die Videoaufnahme alles beobachten, direkt teilhaben, erotische Fantasien entwickeln. Unwahrscheinlich spätestens jetzt, dass sich jemand das Leben nehmen will, der nach einem solchen (gestalteten) „Liebesakt" vor Lebensfreude nur so strahlt.

Bühne, Anspruch und Applaus

Aufgrund des hohen Niveaus dieses Stückes ist der Auftritt des Goetheschul-Theater-Teams auf der Herschelbühne nicht der erste und auch nicht der letzte Auftritt. Das hannoversche Umland, der „Ballhof" Hannover sind Bühnen, wo ihnen Beifall gezollt wurde und wird. Ein Wunder? - Nein, denn dem Publikum stellt sich ein perfekt eingespieltes Team vor:

Noch einmal: Das TEAM

Die talentierten Schauspieler Tamara Semzov und Matwej Novakovski spielen und transportieren die zeitlos-aktuelle Thematik - die leidenschaftliche Suche nach dem Sinn des Lebens - treffend und realitätsnah. Diese beiden „round characters" sind einfach beeindruckend! Und, auch das weiß jeder, dahinter steht natürlich immer ein Regisseur: H. Warnecke!

Das Publikum

Wir, die Schüler der Herschelschule, danken dem Theater-Team der Goetheschule dafür, dass wir an diesem großartigen Projekt teilhaben konnten.

Die Realität - ein Fake?

Diese Theateraufführung hinterlässt bleibende Erinnerungen! Vor allem anderen auch deshalb, weil in dem Stück die Aktualität der zentralen und immer „jungen" Fragen brennt: Warum lohnt es sich zu leben? Ist die Realität der Erwachsenen nicht nur ein Fake?

Auf der Suche nach der scheinbar einzig wahren Realität streifen die beiden Jugendlichen den Gedanken an die Wirklichkeit des Todes und - finden dabei einander und zu sich selbst.
Für die Figuren und auch für uns als Publikum mündet alles in den Satz, den Appell, mit dem der Autor Bauersima das Stück beendet: „Lass´ uns das Leben versuchen!"

Bericht: Marianne Peters, Monika Klassen (13.Jg.)