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Herschelschule-Ganztagsgymnasium
 

zeitflight Jubiläumsrevue 50 Jahre Herschelschule

„Wir waren schon gut, aber ihr seid noch besser..."

so pointierte der derzeit in Deutschland sicherlich bekannteste ehemalige Herschelschüler, der Kabarettist MATTHIAS BRODOWY eine unter dem Titel „ZEITFLIGHT" laufende Revue des Ganztagsgymnasiums anlässlich des 50jährigen Bestehens der 1960 neu gegründeten HERSCHELSCHULE HANNOVER.

Von „FLY ME TO THE MOON" (großartig interpretiert von der spürbar jazzerfahrenen Schülerin Maria Narodowitsch) über den spektakulärsten Hippie-Song des Musicals „HAIR" („AQUARIUS" sang Diana Babalola mit „fetter" Soul-Stimme und „Gänsehauteffekt") über MODERN TALKING („You're my heart, you're my soul") bis zu Edward ELGARs/A.C.BENSONs „LAND of HOPE and GLORY" spannte sich der musikalische Bogen.

Diese gelungene „ZEITREISE" am 14.bzw.15.Juni 2010 bildete den Auftakt zu allerlei Festveranstaltungen im Rahmen des Jubiläumsjahrs der Herschelschule. Und was für ein furioser Auftakt des schwerpunktmäßig musikalisch orientierten Ganztagsgymnasiums war das!
Man kennt das bereits von vielen Musikabenden der letzten 10 Jahre (Westside-Story, Les Misérables, Anatevka), von zahllosen Orchesterkonzerten:  Unter 200 Mitwirkenden geht kaum etwas über die Bühne am Großen Kolonnenweg! „ZEITFLIGHT" der HERSCHELSCHULE war einmal mehr ein „Gesamtkunstwerk" von Bühnen- und Maskenbildnern, von Schauspielern und Tänzern, von Choreographen (BURGHARDT und ihre Jazz-Dance-AG brachten während des Aquarius-Songs echtes Hippie-Feeling auf die Bühne), von Licht - und Tontechnikern, vor allem aber von Musikern.

Zwei komplette Blasorchester, eine Rock-Pop-Formation und ein 70köpfiger, stimmlich und bewegungsmäßig sehr gut eingestellter Chor bildeten den soundgewaltigen oder auch ganz zarten Hintergrund für wenige herausragende Solisten.

Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen stemmten nach monatelanger Kleinarbeit eine schwungvolle, ganz leicht und locker wirkende Revue.

Auf der Bühne entwickelte sich eine musikalisch beschwingte ,frische Show, eine gegelungene Mischung aus „saugeilen" Dieter-Bohlen-Zitaten, aus nachdenklichem Innehalten (Tod Benno Ohnesorgs oder Tschernobyl) und philosophischen Betrach- tungen über die Relativität menschlicher Sichtweisen. Das war eben weder die übliche „Hey, weißt-du-noch"- Nostalgie-Nummer, noch der platte und oft nur Insidern ganz verständliche „Pauker-Pennäler"-Ulk vergangener Zeiten.

Neben einer Casting-Show à la Bohlen, in der „Dieter" als Juror den „Modern-Talking Luftgitarristen" beurteilen muss, gibt es ganz stille Szenen um Berliner Mauerbau- Tragödien oder die berüchtigte Reaktorexplosion in der Ukraine. Bei den schlimmen GAU-Reminiszenzen durfte sogar einmal eine Geige auf die Bühne, wahrlich eine Rarität unter den vielen Blasinstrumenten. Rudi Dutschke und die Achtundsechziger kommen ebenso vor wie Flower-Power und der Mauerfall, Gagarin, Neil Armstrong und die „wehende" (?) US-Mond-Flagge.

Geschickt war die Einbeziehung des Publikums u. a. in die Massen-„Bewegung" der Aerobic-Szene der 80er Jahre -  wie gut, dass es damals kein „Nordic Walking" gab!

Wesentlich zum Gelingen von „ZEITFLIGHT" trug die sichere Text- und Szenengestaltung durch den Profi MATTHIAS BRODOWY bei, der klug Akzente setzte, die Bilderfolge abwechslungsreich und vor allem in den Einzelsegmenten knapp, präzise, verständlich und offen hielt. Bewundernswert, wie er sich als „ZEITREISE"-Leiter HERSCHEL  weitgehend zurücknahm und den mitfliegenden Schülerinnen (Angelina Reichel und Katharina Kupka) auf der Bühne viel „Spiel"-Raum ließ.

Dass der eigentlich bühnenunerfahrene Chemie- und Physiklehrer Dr. Raffi Kantian kurz vor seiner Pensionierung unter der behutsamen Führung von Brodowy, Nikolic, Thunert und Derscheid als „Erfinder der Zeitmaschine" (Kantius.01) noch fast zum Schauspieler mutierte, ist nur ein - freilich bemerkenswerter - Nebeneffekt, der vielleicht auch an eine Karriere nach der Karriere denken lässt!

Die musikalische Leitung von zwei Orchestern, einem vielstimmigen Chor und einer Rockband teilten sich, gewohnt souverän, drei Musiklehrer der Herschelschule:

DERSCHEID, KITTEL, KLINGEMANN, POTHAST und STAGGE.  Die Texte stammten nach Schülervorschlägen weitgehend von BRODOWY. Viele Lehrerinnen und Lehrer haben seit September 2009 mit den Schülern geprobt.

Die Gesamtleitung lag in den Händen von DANIEL DERSCHEID, LARA  NIKOLIC und ALEXANDRA THUNERT.

Ein ganz dickes Gesamtlob für alle Beteiligten!

Kleiner Tipp zum Schluss:  Die „Pomp-and-Circumstance"-Stimmung ELGARs kommt noch besser „rüber", wenn der Chor  - gesanglich auf der Höhe der Situation - auch in Mimik und Gestik Fröhlichkeit und Ausgelassenheit zeigt. Die Engländer beweisen nicht nur in ihren „Last Nights of the Proms", wie man sog. E-Musik „lustig" darbieten, Stimmung erzeugen und  Nationalstolz (Land of Hope and Glory, Rule Britannia), ja, auch die ROYALS mit einem Augenzwinkern „verkaufen" kann.

Klaus Umbach
16.06.2010

Fotos: Stg